Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
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Der Handel als Keim der Unternehmung. Die ältere Arbeitsgenvssenschnst,

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schaften und Schwächen der Menschen zu nützen, die Preisdifferenzen zu verfolgen, sichbezahlen zu lassen in einer Weise, daß auch die Gegengabe wieder Vorteil bringe. Esist eine gänzlich andere moralisch-psychologische Atmosphäre, die mit dem Handel ent-steht, die erst langsam und nach und nach ihre Sitle, ihr Recht, ihre Moral, ihresocialen Schranken erhielt. Die Ausfassung der socialen Beziehungen zu allen fernerStehenden unter dem Gesichtswinkel des Gelderwerbes, die damit verbundene Geistcs-thätigkcit und Willensrichtung wird das zunächst rohe, aber unentbehrliche Hülfsmittel,um nach und nach die ganze Produktion umzugestalten, die Volkswirtschast und inweiterer Linie den Welthandel zu schaffen. Diese bestimmte psychologisch-geistige Atmo-sphäre ist noch heute die Voraussetzung des überwiegenden privatwirtschaftlichen Geschäfts-getriebes; sie kann, mit moralischen Elementen durchsetzt, nach und nach selbst eine ver-sittlichte werden. Nur darf man von ihr nicht den Verzicht auch auf den reellen Gewinnfordern. Wer allen Gewinn alsProfitwut" anklagt und aus der Volkswirtschaftentfernen will, tötet ihre Seele und muß nachweisen, welch' andere Seele er ihr ein-zuhauchen im stände sei.

Wie, durch welche Stadien, Einrichtungen, mit Hülfe welcher Anordnungen vonGemeinde und Staat der Handelsgeist sich nach und nach entwickele, haben wir hiernicht zu verfolgen. Nur das sei noch betont, daß aller Tausch und aller Handel, sosehr er der Organisation von Genossenschasten, Sippen, Karawanen, Gemeinden undStaaten bedarf, doch von Haus aus Sache der Individuen, zuerst der Häuptlinge, oftder großen Grundbesitzer, dann der Händler ist, und daß naturgemäß die Familien-glieder, die Sklaven und Diener der Betreffenden zu Gehülfen des Handelsgeschäftesdabei werden. Dazu braucht der Händler die Fähigkeiten und die Eigenschaften, diespäter überhaupt für jeden Unternehmer größerer Geschäfte nötig sind: die Kunst,Menschen zu behandeln und an sich zu ketten, vielköpfige Anstalten einheitlich zu leiten,richtig zu befehlen und Gehorsam zu finden.

Haben wir so eine Vorstellung, wie an die Geschästsseite der Unternehmung,welche mit dem Handel entsteht, die organisatorische Zusammenfassung mehrerer sichanschließt, so ist, um sie richtig und ganz zu verstehen, von der Frage auszugehen,welche Rolle die älteren Formen socialer Organisation dabei gespielt haben, die genossen-schaftliche, wie sie mit der Sippe, die herrschaftliche, wie sie mit der Familie gegeben war.

Die älteren Gentilverbände, die Sippen haben wir oben (S. 236239) kennengelernt: sie beruhen aus sehr starken Gemeingesühlen, sie fassen in einer Zeit ohne erheb-lichen individuellen und Familienbesitz je eine größere Zahl Männer zu Kriegs- undBeutezügen, zu Schiffs- und Hausbau, zu Rodung und Feldgemeinschaft zusammen.Als Unternehmungen können wir sie nicht bezeichnen, sie wollen keinen Gewinn machen;aber sie sind Arbeitsgenossenschaften und fchulen die Menfchen in gemeinsamer Thätigkeit.In der historischen Zeit der Kulturvölker sind sie meist in Auslösung begriffen oder inMark- und Dorfgenoffenschaften umgebildet, der wichtigere Teil aller wirtschaftlichenArbeit ist jetzt auf die Familien übergegangen. Aber die alten Sitten des gruppen-weifen Zusammenarbeitens dauern doch in bestimmten Fällen da und dort umfangreichfort: eine Anzahl Männer jagen und fischen gemeinsam, arbeiten als Flößer und Schifferzusammen, brechen Steine, bauen Erzgruben ab, übernehmen Fuhren, arbeiten später alsTräger, Packer, Unterkäufer oder sonst wie gemeinschaftlich. Es handelt sich um lauterrelativ einfache Arbeitsthätigkeiten, die, außerhalb der Hauswirtschaft geübt, das Zusammen-wirken mehrerer nötig machen. Männer mit einfachen Werkzeugen, gleicher Kraft undGeschicklichkeit, ohne ausgebildeten Erwerbstrieb, ohne eigentliche Arbeitsteilung, alsVerwandte, Nachbarn, Freunde und durch die Schule der gemeinsamen Arbeit voneinem naiven Gemeinschaftsgefühl beherrscht, treten ohne schristlichen Vertrag untereinfachen Formen, z. B. unter Küssung eines Heiligenbildes, unter Trunk aus einemgemeinsamen Becher zusammen; damit ist der Bund unter den herkömmlichen, jedembekannten Bedingungen geschlossen; ein Führer wird gewählt; oft wird für die Zeitder gemeinsamen Arbeit gemeinsames Mahl gehalten. Eine Kasse, ein gemeinsamesVermögen, eine Buchführung bestehen meist nicht oder nur in kümmerlichen Anfängen.