Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Entstehung
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Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft.

Marktes oder der ihm nüchstgelegencn Straßen, eine amtliche Warenschau, Preissetzungund andere Maßnahmen der Marktpolizei erzeugten eine Organisation des Absatzes,welche die Innung selbst nach und nach in die Hand bekam; es lag darin eine ArtKonkurrenzregnlierung, die dem einzelnen Schranken auferlegte, ihn aber auch erzogund seinen Erwerb erleichterte. Die städtische, später die territoriale und staatlicheGewalt mußte nach Ausbildung des Zunftwesens suchen, die Oberleitung im Interesseder Gesamtheit in die Hand zu bekommen, den Handwerkern ihr Marktgebiet und ihrenAbsatz zu sichern. Nur wer der Zunft am Orte angehörte, durfte das Handwerkselbständig treiben, und er wurde nur aufgenommen, wenn er bei einem Gewerbs-meister als Lehrling gelernt, wenn er dann gewisse Jahre Geselle gewesen, gewandertwar, ein Meisterstück gemacht hatte. Da der Meister zugleich nur Lehrlinge und Gesellenseines Handwerks und stets nur in beschränkter Zahl halten durfte, so war damiterreicht, daß Meister und Gehülfen sich als eine gemeinfanie Klasse fühlten, daß diearbeitenden Gesellen mit der Aussicht auf die Meisterschaft nicht eigentlich zu einembesonderen Lohnarbciterstand wurden, daß nur kleine Geschäfte mit Meistern an ihrerSpitze bestanden, die mehr technische Arbeiter als Kapitalbesitzer und Kausleute waren.Durch zeitweilige oder dauernde Fcrnhaltung sremder Konkurrenz, durch das Verbot desLandhandwerks, durch oft jahrelange Einschränkung der Zulassung zum Meisterwerdenoder gar durch eine geschlossene Mcisterzahl wurde vollends der Nahrungsstand derMeister gesichert, aber auch eine Art Monopol erzeugt.

Die Erhaltung der kleinen Geschäfte mit höchstens 13 Gehülfen lag in derNatur der damaligen Werkstatttechnik, in dem mäßigen Kapital jener Tage, in derNatur des Kundenabsatzes; aber andere Faktoren wirkten mit: so das Verbot, daßkaufmännische Kräfte an die Spitze träten, daß ein Meister zwei Läden oder Werkstättenhabe, die Produkte der Mitmeister aufkaufe, mit dem Rohstoff spekuliere; so dieBegrenzung der Lehrlings- und Gesellenzahl, das Verbot der Frauenarbeit, die wöchent-liche Maximalgrenze für die Produktion.

So lange diese gesamten Einrichtungen dem Verkehr und der Technik ihrer Zeitim ganzen angemessen waren, haben sie die Ehre, die Ausbildung, den Wohlstand derHandwerker gefördert. Seit dem 16. und 17. Jahrhundert, feit die interlokale Arbeitsteilungund der Fernabsatz da und dort begann, war an einzelnen Stellen diese alte Handwerks-verfassung bedroht und überlebt; für den weitaus größeren Teil Europas aber bliebbis gegen 185V, ja 1870 der lokale gewerbliche Kundenmarkt die Hauptsache, und konntedaher das Handwerk zunehmen. Auch die Gewerbefreiheit hat, wo sie vor 1860 ein-geführt wurde, Wohl ein Landhandwerk geschaffen, aber das Stadthandwerk nichtbeseitigt. Für viele Teile Deutschlands liegt die Entstehung und die Blüte des Hand-werks sogar erst in der Zeit von 17001870, der steigende Wohlstand zeigte sich bis1860 in Deutschland vielfach in einer Zunahme der Handwerksmeister und ihrerGesellen. Man kann ziemlich sicher schätzen, daß im heutigen Deutschland 1816 etwa0,s Mill., 1861 1 Mill., 1895 1,8 Mill. Handwerksmeister vorhanden waren. Nachsehr wahrscheinlichen Berechnungen kamen auf 1000 Einwohner in Preußen undDeutschland :

Handwerksmeister Meister und Gehülfen

1816 24,» 30,s

1861 28,3 59,«

1895 26,7 56,9.

Im Jahre 1895 kamen auf 1000 Einwohner:

Meister Meister u. Gehülfen

in Städten mit über 100 000 Einwohnern...... 13,4 46

- 20100 000 -...... 27,9 83

- Gebieten - 100150 - pro Geviertkilometer 37,s 68

- solchen - 2550 - - - 22,v 34.