Statistik der Aktiengesellschaften. Entstehung der Genossenschaften.
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mehrerer an der Spitze der großen Unternehmungen geschaffen haben, sehen wir in denneueren Genossenschaften die Formen, in welchen die mittleren und unteren Klassen, dieArbeiter, Handwerker, Bauern und Landwirte, sich zu gemeinsamen Unternehmungenzusammenfanden. Es ist ein überaus merkwürdiges, unser volkswirtschaftliches Lebenund Treiben gewissermaßen auf einen anderen Boden stellendes Princip, was hier sichdurchringt. Freilich schon in der offenen Handels- und in der Aktiengesellschaft ist esnicht der egoistische Erwerbstrieb allein, der die Betriebe beherrscht und ermöglicht, aberdoch hat er noch eine überwiegende Bedeutung. Die Genossenschaft will auch geschäfts-mäßig Verfahren und kaufmännisch erziehen, aber sie will stets zugleich auf brüderlichemGeiste beruhen, ihre psychologischen und sittlichen Elemente sind um ein gutes Stückandere als dort. Sie erwuchs in den Kreisen der Gesellschaft, in welchen der moderneErwerbstrieb noch nicht seine volle Ausbildung erhalten, die noch stärker von lebendigenGemeinschaftsgefühlen beherrscht waren. Sie entstand in den Kreisen, die von dermodernen Wirtschaftsentwickelung bedroht waren. Die alten Mittelstände in Stadt undLand sahen sich in die Notwendigkeit versetzt, entweder in den alten Betriebsformenunterzugehen oder sich technisch und kaufmännisch zu vervollkommnen und dabei sichgenossenschaftlich zu sammeln. Die bereits zum Lohnarbeiter Herabgedrücktcn warendem Waren- und Wohnungswuchcr, dem Lohndrucke, der Ausbeutung ausgesetzt. Mitdem Siege der Geld- und Kreditwirtschaft, der neuen Technik begann in diesen Kreisenein lebendiges Vereinswesen zu erblühen, das zur Vorschule für das Genossenschaftswesenwurde. Ideale Apostel der Selbsthülse und des genossenschaftlichen Geistes, wie Schulzeund Raiffcisen, ganze und halbe Socialisten, wie R. Owen und Buchez , christlicheSocialisten, wie Maurice, Ludlow , Holyoake, V. A. Huber, stellten sich an die Spitzevon kräftigen Agitationen, die eine Reform aller menschlichen Motive, wie aller volks-wirtschaftlichen Organisation erhofften. Von diesen Idealen wurde nur ein Teil erreicht,und konnte es nur ein Teil. Die Welt ließ sich nicht plötzlich ändern. Das Geschäfts-leben läßt sich nicht bloß auf ideale Antriebe gründen. Auch die sogenannte „Selbst-hülfe" konnte nur den Sinn haben, daß die Betreffenden sich nicht rein von obenorganisieren und leiten ließen, daß sie mit männlicher Aktivität, wenn auch unter denImpulsen aus höheren Kreisen, selbst Hand anlegten. Zu den idealistischen Strömungender hochherzigen Brüderlichkeit, die die Bewegung belebten, kam das erwachende Standes-und Klassenbewußtsein, die radikale Entrüstung über die Mißbräuche des Bestehendenund ebenso die Hoffnung auf Gewinn und Dividende, auf bessere und billigere Waren,auf besseren Absatz, erleichterten Verdienst. Es geht nirgends in der Welt ohne dieMischung höherer und niederer Motive. Es kommt nur darauf an, die Mischung zufinden, welche die Menschen nicht bloß wirtschaftlich, sondern auch moralisch und gesell-schaftlich vorwärts bringt und treibt.
Die teilweise schon 1820—50 versuchten, 1850—70 in England und Deutschland ,1870—1900 in allen wichtigeren Kulturstaaten zu Hunderten und Tausenden entstandenenwirtschaftlichen Genossenschaften (soeistös coopörativss, xroviclent anä inäustrial socnktiös)sind Vereine überwiegend lokalen Charakters, deren Mitglieder zuerst wesentlich denunteren und mittleren Klassen angehörten; sie schießen meist in kleinen Teilzahlungen,oft mit Hülfe des Sparzwanges ein kleines Kapital zusammen und begründen gemeinsameGeschäfte zur Förderung ihres Erwerbes und ihrer Wirtschaft; weder das Kapital, nochdie Mitgliederzahl ist geschlossen wie bei der Aktiengesellschaft: der Schwerpunkt derVereinigung liegt nicht, wie bei jener, im Kapital, sondern in der persönlichen Ver-einigung; sie faßt nicht 2—5 Gesellschafter zu einem Geschäft zusammen, wie in deroffenen Handelsgesellschaft, sondern Dutzende, oft Hunderte; ein gewählter Ausschuß,ein Vorstand führt die Geschäfte, nicht die Gesamtheit der Genossen, welche ihre Rechteausschließlich in der Generalversammlung ausübt.
Die Zwecke der Genossenschaften sind nun im einzelnen ebenso verschieden wie dieZahl der Mitglieder und das Maß der Beteiligung, das die Genossen ihnen widmen.Der Konsumverein ist ein genossenschaftliches Detailverkaufsgeschäft, das an die Mitgliedergute, unverfälschte, preiswerte Waren verkaufen, sie teilweise auch selbst herstellen, einen