Entstehung, Wesen und Aersassung der Kartelle.
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schwierig die Verhandlungen sein mußten, wie häufig sie scheiterten, wie oft bestehendeKartelle sich wieder auflösten. Meist hat erst die bittere Not 60—90°/o der gesamtenProduktion des Gebietes auf den Standpunkt der Vereinigung hingedrängt; wenn nichtso viele beitraten, war der Erfolg meist in Frage gestellt. Auch ist klar, daß nurGeschäfte ohne zu viel Schwierigkeiten sich einigen konnten, die gleichmäßige, vertretbareWaren, hauptsächlich Halbstoffe erzeugen, wie Kohle, Eisen, Schienen, Salz, Chemikalien,Petroleum, Zucker, Branntwein oder Eisenbahn- und Telegraphengesellschasten :c. DieVersuche in der keramischen, Wirkwaren-, Chokoladen-, Glacöhandschuhfabrikation scheitertenbisher. Auch wo es sich um Tausende von kleinen und mittleren Produzenten handelt,ist die Sache sehr viel schwieriger, als wo eine kleinere Zahl großer Fabriken denMarkt beherrscht.
Die Phasen der Kartellentwickelung lassen sich kurz so charakterisieren: 1. Ver-abredungen über Kreditgewährung, Zahlungsbedingungen und Ahnliches, 2. solche überMaximalpreise, welche man für Rohstoffe zahlt, über Minimalpreise, die man beimVerkauf fordert; 3. Hinzufügung des Ehrenwortes und bald von Geldstrafen bei Ver-letzung, welche man durch hinterlegte Wechsel leicht einziehbar macht; auch das reichtmeist nicht aus; also 4. Verteilung des Marktes durch Demarkationslinien, die bei Strafeeingehalten werden müssen, und 5. Verabredungen über das einheitliche Vorgehen beiSubmissionen; nur ein Werk bietet, die anderen höchstens zum Schein; 6. feste Ver-abredungen über die Größe der Produktion jedes Werkes nach seiner bisherigen Kapacität,entweder überhaupt oder wenigstens sürS Inland, häufig so, daß für Minderproduktioneine Prämie gezahlt, für eine gewisse Mehrproduktion eine Strafe erhoben wird; dieseVerabredung verbindet sich meist mit Preisfestsetzungen; 7. reicht auch das nicht, so wirdaller Verkauf der Produkte auf eine Zentralstelle übertragen, welche die Natur einergemeinsamen Agentur haben kann oder die einer selbständigen Aktiengesellschaft, derenAktionäre nur die beteiligten Werke sein können. Ist die Centralisation soweit gediehen,so können auch weitere Maßnahmen getroffen werden: die Stillstellung teilnehmenderoder gepachteter Werke, der Ankauf von nicht beigetretenen, die Verhinderung derEntstehung neuer Werke, wobei man in den Mitteln teilweise nicht wählerisch ist.
Die juristische Natur der Verbindungen und der Centralstellen kann sehr ver-schieden sein; in Amerika hat man die Form gewählt, daß ein kleines Vertrauens-komitee, die sogenannten trustsss, die Aktien der beteiligten Werke in die Hand unddamit die unbedingte Verfügung über Generalversammlungen und Vorstände, übertechnisches und kaufmännisches Gebaren der Gesellschaften bekommen; sie stellen denAktionären an Stelle der Aktien Certifikate aus, oft im 2—4 fachen Betrag der Aktien,um die gezahlten Dividenden niedriger erscheinen zu lassen.
Außer dem direkten Zwecke der Konkurrenz und Preisregulierung, der Herstellungvon Monopolen und hohen Gewinnen haben die Kartelle in großartiger Weise Versuchs-stationen, Bibliotheken, Nachrichtenbureaus errichtet, den technischen Fortschritt gefördert,die Verkehrsanstalten beeinflußt, die Regierungen und Parlamente, wie die öffent-liche Meinung bearbeitet, oft auch mit enormen Summen einzelne Personen fnr sichgewonnen.
In Schutzzollländern war die Herstellung der Kartelle durch die Abhaltung derfremden Konkurrenz wohl etwas erleichtert; im ganzen haben sie sich in allen Ländernmit maschinellem Großbetrieb, starker Konkurrenz, entwickeltem Verkehr gebildet. Amweitgehendsten Wohl in den Vereinigten Staaten , wo sie auch die Politik und dieEisenbahnen am meisten beherrschen; es existieren dort zahlreiche Trusts mit 60—90 Mill.Dollars Kapital; aber auch in England, Frankreich, Deutschland, Osterreich, Italien bestehen zahlreiche Kartelle; in Deutschland zählte man 1887 70, 1896 137. EineReihe großer internationaler Kartelle beherrschen den Weltmarkt, wie der amerikanische Standart Oil Trust, der die dortige Petroleumproduktion, und das Haus Rothschild,das die russische kontrolliert. Jeder derartige Verband wirkt leicht darauf hin, daßdie mit ihm verkehrenden Produktionskreise sich ähnlich organisieren, um nicht bei jederGelegenheit von der Übermacht des anderen Teiles gedrückt zu werden. Die Groß- und
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