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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
Entstehung
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II. KAPITEL.

nach langen Versuchen eben denjenigen Grad von Voll-kommenheit erreicht hatte, der sie zur allgemeinen Ein-führung befähigte.

Es war ein Sohn des Elsasses, .Tosua Heilmann, derim Jahre 1828 zuerst eine Stickmaschine mit 28 Nadelnkonstruierte. Im folgenden Jahre erwarb von ihm einSt. Gallener Bürger zwei Maschinen und das alleinige Ver-kaufsrecht für die Schweiz und die angrenzenden Länderfür eine bedeutende Summe. Die mit diesen Maschinen her-gestellten Stickereien konnten aber so wenig mit den Hand-arbeiten konkurrieren, dass an eine Ausnützung der Er-findung vor ihrer Vervollkommnung nicht im entferntestengedacht werden konnte. So sehen wir den Käufer undandere, mit denen sich dieser in Verbindung gesetzt hatte,Jahre lang vergebliche Anstrengungen machen, die Maschinezu verbessern. Auch in Spanien, Österreich, Russland undder eigentlichen Heimat der Maschinen, England , wo mansich an diesen Versuchen beteiligte, hatte man keine Er-folge und stellte die unbrauchbaren Stühle bald wieder zurSeite. Erst nach mehr als zwanzigjährigen Bemühungengelang es einem Verwandten des ersten Erwerbers, FranzRittmeyer in Verbindung mit dem Bayern Franz Vogler, dieeinzelnen Bestandteile der Maschine, die im Prinzip die-selbe blieb, dergestalt zu verbessern, dass man es wagendurfte, in gewissen Artikeln mit der Handstickerei zu kon-kurrieren und die erste Stickfabrik, anfänglich mit 12 Ma-schinen, einzurichten. Aber ihre Produkte hatten mit demVorurteil zu kämpfen, dem alle Maschinenerzeugnisse an-fänglich begegnen. Obwohl es vorkam, dass Maschinen-stickereien arglos für Handstickereien gekauft wurden,zeigte sich doch eine allgemeine Abneigung gegen dasRittmeyersche Fabrikat, nur Brasilien und Havana nahmenes auf.

Nordamerika blieb es mit seinem im Jahre 1858 be-ginnenden, rasch wachsenden Begehr Vorbehalten, die jungeIndustrie auf eigene Füsse zu stellen. Das Jahr 1856 zeigtuns schon mehrere Fabriken, darunter eine von dem Ritt-meyerschen Haus mit mehr als 100 Maschinen.