Der nordamerikanische Bürgerkrieg lähmte wohl vor-übergehend die Entwicklung der Maschinen Stickerei, dannaber nahm sie infolge der amerikanischen und englischenNachfrage einen Aufschwung, wie er kaum in der Ge-schichte der Schweizer Industrien ein Analogon habendürfte. Zwar blieben auch in den 60er Jahren vorüber-gehende Stockungen in der Nachfrage nicht aus. aber siewaren immer nur Pausen, denen rasch ein um so stärkererBegehr folgte, so dass die Vermehrung der Maschinen un-unterbrochen sich bis zum Anfang der 80er Jahre fort-setzte. Kapitalisten wie Arbeiter konnten eben ihr Geldund ihre Arbeitskraft nirgends besser als in der Stickereiverwerten. Wurde doch der Unteruehmergewinn auf 40%des Verkaufspreises berechnet 1 , der Lohn eines mittlerenFabrikstickers aber — wenigstens bis 187b — auf mehr als4 Franken geschätzt.
Zahlen werden am besten für den grossen Aufschwungsprechen. Es standen in den drei Kantonen St. Gallen,Appenzell Ausser- und Inner-Rhoden und Thurgau
1865 . . . 770 Maschinen
1872 . . . 6384
1876 . . . 9942
1880 2 . . . 14770
1884 aber über 20000 „
Mit dieser Zahl war nun allerdings der Bedarf nichtnur völlig gedeckt, sondern in einer Weise überschritten,dass von da ab die Industrie an einer beständigen Über-produktion krankt und die Beteiligten so unter den niedrigenLöhnen leiden, dass sich schon, wenn auch erst in kleinenAnfängen, ein völliges Aufgeben der Stickerei und ein Rück-wärtsströmen der Arbeiter in die alten Berufe zeigt. Beieiner 1890 aufgenommenen Statistik standen von 21660 Ma-schinen über 2000 still, und die Fabrikinspektoratsberichte
1 Vergl. Quellenangabe No. 22, II S. 265.
2 Inklusive Zürich und Voralberg, welch’ letzteres seit Mitte der70er Jahre angefangen hatte, Maschinen aufzustellen.
Swaine, Die Arbeitsverhälinisse der Einzelsticker in der Schweiz .
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