GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DER MASCHINENSTICKEREI. 35
den ihnen durch die gesunkenen Preise entgehenden Gewinndurch allerlei Tricks und Kniffe aus dem Arbeiter heraus zuschlagen suchten. Es fanden infolge dessen von seiten derHausindustriellen 1884 Versammlungen statt, in denen inleidenschaftlicher Weise eine Organisation gegenüber derKaufmannschaft gefordert wurde. Indessen kam man baldzu der Einsicht, dass eine einseitige Vereinigung mit derSpitze gegen die Kaufleute nicht prosperieren würde, mantrat mit dieser mächtigen Gruppe in Unterhandlung, derenFolge war, dass im Juli 1885 der „Centralverband derStickerei - Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs“gegründet wurde. Der Verband, dem ich an anderer Stelleein besonderes Kapitel widmebezweckte mit einer zunft-ähnlichen Organisation „einerseits der Überproduktion inder Stickerei-Industrie vorzubeugen, andererseits bessereLohnverhältnisse zu erzielen und im allgemeinen durchzweckdienliche Massnahmen an der Hebung der Stickerei-Industrie und Erhaltung derselben auf gesunder Basis mit-zuarbeiten“. Wie er diese Absicht zu erreichen suchte, undwie ihm das glückte, das soll später gezeigt werden. Hierist nur zu konstatieren, dass er die Bedeutung, die erwährend der 80er Jahre unbestritten hatte, seit 1892 voll-ständig verloren hat und jetzt eigentlich nur zum Scheinvon einem kleinen Häuflein aufrecht erhalten wird. Solange die Krisis der Stickerei - Industrie nur durch dieProduzenten selbst, nämlich durch die planlose Maschinen-aufstellung, hervorgerufen war, hat er sicher teilweise seinenZweck erfüllt, sobald aber zu der inneren Krisis noch eineäussere kam, versagte er. Dieser Schlag von aussen ge-schah aber 1891. indem sich die Mode von den Stickereienetwas abwandte. Namentlich war dies in Amerika derFall, wo ausserdem noch die 1890 in Kraft getreteneMc. Kinley Bill mit ihrer Erhöhung des Zolls um 20 %des Werts den Begehr verringert haben mag. Eine weitheftigere, voraussichtlich aber nur vorübergehende Einbusseerlitt die Maschinenstickerei durch die grosse Krisis, die
' Yorgl. S. 109 ff.
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