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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
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II. KAPITEL.

spielen können, hätten einen Stamm guter Arbeiter in ihrerFabrik gehabt und Bestellungen über ihre Kräfte hinausausserhalb ihres Etablissements ausführen lassen. Sie wärenso in guten Zeiten eines schönen Unternehmergewinnssicher gewesen, hätten sich bei schlechtem Geschäftsgangwegen ihres in der Industrie angelegten Kapitals nicht zuviel Sorgen zu machen gebraucht und würden so dieVorzüge der Fabrik, Promptheit und Exaktheit, mit denender Heimarbeit, geringem Risiko, verbunden gehabt haben.Aber die Dinge gingen einen anderen Weg. Die Einzel-sticker stellten sich auch dem Kaufmann in St. Gallen zurVerfügung, und die Fabrikanten blieben in ihrer Mehrzahlauf den Gewinn aus ihrer Fabrik beschränkt. Der fiel nunsehr mager aus, denn die Heimarbeiter machten mit ihrerBilligkeit den noch bestehenden Anlagen eine solche Kon-kurrenz, dass die Fabrikanten so gut wie nichts verdientenund ein allgemeiner Krach in der Fabrikindustrie befürchtetwurde.

Aber auch den Hausindustriellen selbst ging es keines-wegs gut. Infolge ihrer grossen Zahl drückten sie so aufdie Preise, dass sie auch bei ausgedehntester Arbeitszeitund rücksichtslosester Heranziehung von Weib und Kindernnur ein sehr bescheidenes Auskommen hatten.

Ebenso war der grössere Teil der Kaufleute mit denVerhältnissen unzufrieden, denn es fehlte ihnen an einersicheren Grundlage für die Preisnormierung der Waren.Hatte der Exporteur heute zu irgend welchen PreisenLieferungen vereinbart, brachte in acht Tagen ein andererdieselben zu viel besseren Bedingungen unter. Es begannein Spekulationsgeschäft schlimmster Art, zu dem sich wohlFirmen, die nichts zu verlieren hatten, nicht aber alteHäuser, die im soliden Handel gross geworden waren, hin-gezogen fühlen konnten. Die ganze Industrie ging nach derAnsicht aller einer bangen Zukunft entgegen.

Am ersten machte sich eine Reaktion gegen diese Ver-hältnisse bei den Einzelstickern geltend. Sie, die von derHand in den Mund lebten, empfanden naturgemäss den Druckder Thatsachen am ersten und um so mehr, als viele Firmen