VII. KAPITEL.
SITTLICHE UND SANITÄRE EINFLÜSSE DERSTICKEREI.
Über die sittlichen Einflüsse des Stickereiberufs lässtsich — man kann wohl sagen glücklicher Weise — nichtviel konstatieren. Dass die Verhältnisse hier besser liegenwerden als anderwärts, wo mit der Einführung einer Indu-strie eine Konzentration der Bevölkerung stattfand, gehtschon aus der Schilderung der Wohnungsverhältnisse hervor.Geklagt wird in manchen Schriften über den allzu intimenVerkehr zwischen Sticker und der in seinen Dienstenstehenden Fädlerin. Es scheinen aber diese Klagen mehrin einer abstrakten Deduktion als in einer Beobachtung derWirklichkeit ihren Grund zu haben. Ich habe diesen Ver-hältnissen überall meine Aufmerksamkeit geschenkt, undes wurde mir immer versichert, dass von einem wirklichauffälligen Übelstand in dieser Beziehung nicht die Redesein könne. Selbstverständlich kommen Excesse vor, undSticker und Fädlerin sehen dann manchmal Elternfreudenentgegen, ohne verheiratet zu sein. Aber das soll nichthäufiger als in anderen Berufen sein, und man legitimiertin den meisten Fällen das Kind, noch ehe es geboren ist,durch eine schnell geschlossene Ehe.
Für die Richtigkeit dieser Angabe spricht die geringe