GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DER MASCHINENSTICKEREI. 38
in den Fabriken berücksichtigt. Von sämtlichen in denFabriken beschäftigten Stickstühlen standen 1872 im Dienstevon Lohnstickern 53,5%; im Jahre 1890 waren es schon77,55% geworden.
Bei diesen Zahlen sind zu denen, die auf „eigeneMuster“ sticken, alle die hinzu gerechnet, die zeitweilig auch„auf Stich“ arbeiten. Hätte man diese zu den Lolmstickerngerechnet, so würden letztere 1890 94,5% aller Maschinenbesessen haben.
Auch ein Teil der Musterzeichner und Vergrössererhat mit dieser Umgestaltung seine Freiheit eingebüsst.Während sie früher vollständig auf eigene Rechnung fürden Fabrikanten arbeiteten, sind sie jetzt mehr und mehrzu Angestellten der Kaufleute herabgesunken.
Wir haben gesehen, welch’ tiefen Einfluss das Auf-kommen der Heimarbeit auf alle Klassen der Industrie aus-geübt hat, wir haben aber noch nicht betrachtet, was dasfür ökonomische Folgen für die betreffenden Kreise hatte.Deutlich zeigen sich diese seit 1882, seit welchem Jahredie Hausindustrie auch numerisch der Fabrik überlegen ist.Freilich sind die üblen Erscheinungen seit jener Zeit nichtalle der Hausindustrie als solcher zuzuschreiben, sie istaber indirekt dafür verantwortlich, weil sie allein es war,die die Überproduktion, in welcher die schwersten Übel-stände ihren Grund haben, hervorgerufen hat. Einer Fabrik-industrie wäre schon deswegen eine solche explosionsartigeAusdehnung unmöglich gewesen, weil man in der kurzenZeit die notwendigen Gebäude gar nicht hätte beschaffenkönnen, ganz abgesehen von der grösseren Vorsicht, diedie Fabrikanten bei der Vergrösserung ihrer Betriebe hättenwalten lassen.
Es wird sich nun niemand der Einsicht verschliessenkönnen, dass die geschilderte Entwicklung im allgemeinenkeiner Gruppe Nutzen gebracht hat. Die Fabrikanten hättenvielleicht einige Vorteile gehabt, wenn die Heimarbeiter nurArbeit von ihnen bezogen hätten. Dann hätten sie gegendie Forderung ihrer Fabrikarbeiter die Einzelsticker aus-
Swainc. Die Arbeitsverhälthisse der Einzelstielcer in der Schweiz. 3