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11. KAPITEL.
in so fern vollständig, als er derjenige war, der den Roh-stoff lieferte und neue Ideen in die Muster und Genresbrachte. Er legte dem Exporteur in St. Gallen seine Mustervor, und dieser gab danach seine Aufträge, ohne sich umdie Fabrikation in irgend einer Weise zu bekümmern. MitMusterzeichnern, Zwirnereien und Webereien hatte der Kauf-mann nichts zu thun. Im Lauf der 70er und 80er Jahrehat sich das vollständig geändert. Mit dem Aufkommender kleinen Betriebe, vor allem aber der Heimarbeiter, diebald unter Umgehung des Fabrikanten direkt oder durchVermittlung des Ferggers in den Dienst der Kaufieute traten,wurden letztere veranlasst, alle die Hülfsarbeiten der Fabri-kation, die nicht lediglich das Sticken betrafen, selbst indie Hand zu nehmen. Sie mussten jetzt selbst für neueMuster sorgen und Gewebe und Stickgarn einkaufen. Eslag nun aber sehr nahe, diese Praxis, zu der sie durch dieHausindustrie genötigt waren, auch auf die Fabrikanten, diefür sie arbeiteten, auszudehnen. Denn es erwuchsen keinegrösseren Spesen, ob sie nur mit einem Teil ihrer Beauf-tragten oder mit allen in einen derartigen Verkehr traten,andrerseits aber war natürlich ihr Gewinn desto grösser,je weniger selbständig der Fabrikant ihnen gegenüber stand.So kam es, dass auch dieser mehr und mehr Lohnstickerwurde, oder, wie man auch sagt, „auf Stich“, „in Fapon“arbeitete, dass er also das Muster und sehr oft das Materialvom Kaufmann empfing 1 . Die Entwicklung, die Ende der60er Jahre anfing, können wir leider erst seit 1872 statistischverfolgen :
1872 waren 56°/o aller Maschinen im Dienste von Lohnstickern
1876 „ 60% „
1880 .. 70% „
1890 „ 91,5% „
Die Zahl wird nicht viel günstiger, wenn man dieEinzelsticker hierbei ganz ausscheidet und nur die Maschinen
1 Er wurde also vom Kaufmann genau so „verlegt“, um mitBücher zu reden, wie der Ilausindustrielle, wir finden an ihm dieselbenMerkmale, die man in neuerer Zeit als das Charakteristikum der Haus-industrie gefunden zu haben glaubte.