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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
Entstehung
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ARBEITGEBER UND ARBEITVERMITTEER.

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Orte von einander bis zu einem gewissen Grad eine Monopol-stellung verleiht.

Sehen wir uns einmal die Klassen, die dem Haus-industriellen die Arbeit geben und vermitteln, etwas näheran, wir werden dadurch am besten das Mass der Abhängig-keit des Letzteren erkennen.

Wie schon kurz gestreift, befinden sich die Bureausder Kaufleute grösstenteils in der Stadt St. Gallen . Es sinddies ungefähr 80 °/o; 1015 °/o der Firmen sind in demAppenzeller Hauptdorf Herisau ansässig, und der Rest istüber das Land verstreut. 1

Verglichen mit der Kaufmannschaft anderer Haus-industrien zeigt die unsere wenig Charakteristisches. Dergrosse Unterschied in dem Geschäftsgebaren alter und jungerFirmen, wie er anderwärts beobachtet wurde, ist auch hierunverkennbar. Während erstere mit der Stickereiindustriegross geworden, meist von Schweizern geleitet sind, dieein Interesse an ihrer Heimat und ein warmes Herz fürihre Arbeitnehmer haben und dadurch die Fehler, die nuneinmal einer hausindustriellen Kaufmannschaft anhaften,möglichst mildern, haben die leider nicht seltenen jungenFirmen, deren ausländische Namen schon die fremde Natio-nalität ihrer Chefs verraten, nur das Bestreben, in kurzerZeitein grosses Vermögen zu machen. 2 In der Wahl derMittel hierzu machen sie sich nicht allzu grosse Skrupel.Am schlimmsten sind dabei die kleinen, nicht kapitalkräftigenHäuser, die sich durch Billigkeit möglichst schnell den Ab-satz ihrer Artikel erobern müssen und so beständig auf dieLöhne drücken, ganz gegen den Willen der alten Geschäfte,

Thurgau waren 1S90 insgesamt 352 Fergger ansässig; vergl. Quellen-angabe 17.

1 Vergl. Quellenangabe No. 12, Jnhrg. 1891. No. 23.

2 Vergl. hierzu auch Quellenangabe No. 10, Jahrg. 1879 S. 4.Überhaupt geht das Streben einzelner Häuser unverkennbar dahin, sichin keiner Weise in ein festes bleibendes Verhältnis zu unserem Platzeinzulassen, sondern sich absichtlich so oinzuriohten, dass sie jedenAugenblick die Zelte wieder abbrechen und sich ohne jede nachteiligeEinwirkung für sich selbst wieder von der vorübergehenden Grundlageihrer geschäftlichen Existenz loslöseu können.