Widerspruch. Man sollte denken, der Sticker würde dieGelegenheit, billig einzukaufen, gern ergreifen. Indes scheineneben die dortigen Konsumvereine diese Gelegenheit nichtzu bieten. „Billig und schlecht“ soll nämlich die Deviseder meisten sein. Schon anfangs der 80 er Jahre klagtendie Berichte der Kantonsregierungen 1 darüber, und nachmir gewordenen Mitteilungen scheint es jetzt nicht bessergeworden zu sein.
Die geselligen und geistigen Interessen des Einzel-stickers scheinen gering zu sein. Vor der Vereinsmeierei,die sonst in der Schweiz die üppigsten Blüten treibt, schütztihn wohl der Mangel an Mitteln, und die Schützen-, Turn-,Gesang- und anderen Vereine, die Sonntags mit schlagendenTrommlern und wehenden Fahnen durch die Dörfer ziehen,setzen sich aus anderen Ständen zusammen. Die geistigeNahrung ist sehr oft lediglich eine rein geistliche. Manist im allgemeinen sowohl in katholischen wie in prote-stantischen Kreisen sehr religiös und hält darauf, jedenSonntag in die Kirche zu gehen, eine Sitte, der sich inkleinen Gemeinden selbst ausgesprochene Sozialdemokratennicht entziehen. Weniger scheint man sich um die Vor-gänge der Aussenwelt zu bekümmern, und in vielen Sticker-wohnungen mag wohl das wöchentlich erscheinende Organdes Centralverbands die einzige Zeitung gewesen sein,bezvv. noch sein, die man liest oder wenigstens hält. Denndie Politik, soweit sie sich ausserhalb der Landesgrenzeabspielt, lässt einen guten Teil der Sticker kalt, und wennsie in rein schweizerischen Fragen, wie der des Schächt-verbots oder der allgemeinen unentgeltlichen Krankenpliegenicht durch den Mund der Abgeordneten, sondern selbstdirekt ihr „Ja“ oder „Nein“ aussprechen müssen, so brauchtman nicht besorgt zu sein, dass die Zeitungsschreiber ihrUrteil allzusehr beinflusst hätten. Die Sozialdemokratieund der mehr und mehr die gleichen Ziele verfolgendeGrütliverein erfreuen sich bei ihnen keiner grossen Sym-pathien , sie sind mehr für den status quo und wünschen
1 Siehe Quellenangabe No. 7, lieft 81/82 S. 87.