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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
Entstehung
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NEBENVERDIENST IN DER LANDWIRTSCHAFT U. S. W.

sondern einige Kenntnis in der Haushaltungsführung liaben.Wenn aber die jetzigen Fädlerkinder zum Heiraten kommen,dann wird die leicht zu bereitende Kartoffel die schon jetztseltenen Mehlspeisen ganz verdrängen.

Es würden merkwürdige Zahlen herauskommen, wennman, der modernen Richtung folgend, den Gehalt der Nahrungan Eiweisskörpern, Fetten und Kohlehydraten berechnenwollte. Ich bin aber überzeugt, dass das Ergebnis zu vielzu pessimistischen Schlüssen verleiten würde. Denn schliess-lich lehrt doch der Augenschein, dass es nicht mehr daraufankommt, wieviel Nahrungsmittel und in welcher Zusammen-setzung sie dem Körper zugeführt werden, als darauf, wiesie der Organismus assimiliert. Das aber ist eben in Zahlennicht auszudrücken.

Wir wollen jetzt von der speziellen Betrachtung derArt der Ernährung zu der der Lebensweise im allgemeinenübergehen. Da muss man wohl sagen, dass der Einzel-sticker sich nach der Decke zu strecken versteht und einäusserst sparsamer Hausvater ist. Das Wirtshaus besuchter nur Sonntags und auch da nicht regelmässig. Es istetwas leichtfertig, wenn man die Häufigkeit der Kneipenauch in der Gegenwart noch auf die Frequenz durch dieSticker zurückführt. Das mag früher richtig gewesen sein,jetzt hätten wohl schon viele Wirtshäuser geschlossen werdenmüssen, wenn das Wirtsgewerbe nicht bloss so nebenbei,als sekundärer Beruf, getrieben würde. Auch in der Kleidungmacht unser Hausindustrieller für sich und seine Familiekeine unnötigen Ausgaben. Das fällt ihm allerdings nichtschwer, er hat ein gutes Vorbild hierfür in den reichenKreisen, die teils aus Prinzip, teils aus Koketterie mit derdemokratischen Verfassung eine einfache Kleidung tragen.Angenehm berührt die allgemeine Sauberkeit des Anzugsnamentlich in Appenzell und den angrenzenden Bezirken.Es ist dort eine Freude zu sehen, wie sauber und propredie oft ärmlich gekleideten Kinder trotz der geringen freienZeit der Eltern einhergehen.

Mit dieser Sparsamkeit steht das geringe Prosperierender Consumvereine in den Stickerdörfern scheinbar im