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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
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DIE VERBÄNDE DER EINZELSTICKER.

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ferggereien keine lange Dauer. Man sagt und mir scheintnicht mit Unrecht der angestellte Fergger habe eineschwierige Stellung gegenüber den Stickern. Er könne dieWare nicht immer nach der Leistungsfähigkeit verteilen,gäbe er den schlechten Stickern nur grobe, unvorteilhafteMuster, so wäre das ein fortwährender Gegenstand derUnzufriedenheit, gäbe er ihnen aber gute, schwer auszu-führende Arbeit, die sie nicht tadellos anfertigen könnten,so erfolgten Abzüge, und Missvergnügen sei auch hier wiederdie natürliche Folge. Ausserdem könne man doch auchden guten Stickern nicht zumuten, einen Teil der grobenMuster mit zu übernehmen. Kurz es sei schwer, die Mit-glieder zufrieden zu stellen. Es mag darin ein Teil Über-treibung liegen, immerhin ist die in diesem Umstandbegründete Gefahr nicht zu verkennen. Es ist das vielleichtder Grund, warum bis jetzt so wenig solcher Genossen-schaften entstanden sind. Eine Gewähr für ihre Existenzwürde meiner Ansicht nach sein, wenn sich immer möglichstgleich befähigte Sticker in ihnen vereinigten, was allerdingsnur in grösseren Stickerdörfern auszuführen sein dürfte.

Noch unter den Fittichen des Verbands entstanden isteine Vereinigung, die nicht lediglich ökonomische Zweckeverfolgte, sondern die Interessen der Einzelsticker über-haupt vertreten wollte. Nach und nach hatten sich nämlichsämtliche Gruppen in derartigen Interessenverbänden zu-sammengefunden. Die Kaufmannschaft war von Anfang angeeinigt, ein Fabrikanten- und Ferggerverein war hinzu-gekommen, ausserhalb des Verbands hatten die Fabrikstickereinen Bund geschlossen, was Wunder, dass auch in Einzel-stickerkreisen die Idee eines Zusammenschlusses zu ver-wirklichen gesucht wurde. Es lag dazu aber noch einanderer Grund vor. Es ging nämlich das Gerücht, dieBundesregierung wolle ein Gesetz vorlegen, die Einzel-sticker auch unter das Fabrikgesetz zu stellen. Jedenfallswar in diesem Sinne eine Anfrage von Bern an die Fabrik-inspektoren ergangen, und der Beschluss des Oltener Ar-beitertages, dahin wirken zu wollen, dass die Hausindustrienicht ausserhalb des Gesetzes bleibe, war auch dazu an-

Swaine, Die Arbeitaverhältuisse der Einzelsticker in der Schweiz. 10