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KAPITEL II.
B. DER MECHANISCHE WEBSTUIIL.
Das Princip des Webens ist beim mechanischen Stuhlgenau dasselbe, wie beim Handstuhl. Nur werden die Fach-bildung, das Einschiessen der Schiffchen und das Andrückendes Eiuschlagfadens an das fertige Gewebe hier mit Maschinen-kraft ausgeführt. Der Arbeiter hat dabei weiter nichts zutliun, als aufzupassen, ob und wo ein Faden reisst, und so-dann sofort die Maschine zum Stillstand zu bringen, um denFaden wieder anzuknüpfen. In neuerer Zeit hat man übrigensauch eine Mechanik erfunden, die beim Heissen eines Fadensden Gang der Maschine hemmt, so dass hier das Zusammen-knüpfen der Fäden als einzige menschliche Arbeitsleistungübrig bleibt.
Der Kraftstuhl ist nun nicht nur einfache sondern auchgemusterte Stoffe zu weben im Stande. Es handelte sich hierum die Lösung folgenden Problems: Kann die menschlicheWillkür, welche die zur Herstellung eines Musters noth-wendigen Veränderungen durch thätiges Eingreifen in denGang des Apparates hervorbringt, also namentlich bald dieses,bald jenes Schiffchen in den Schützenkasten hineinlegt, kanndiese durch einen Mechanismus ersetzt werden?
Diese Frage ist bereits durch das System der Jacquard-maschine gelöst. Die Einwirkung eines Musterkartons aufStäbchen wird auch beim Kraftstuhl, und zwar nicht nur zuAenderungen der Kette, sondern auch zu solchen des Ein-schusses benutzt. Neben dem Webstuhl befindet sich einBehältniss, das gerade so hoch ist, wie der Abstand derKette vom Boden. In diesem befinden sich die Schiffchenmit den Spulen. Zugleich mit jeder Bildung eines Fachesgreift nun ein eiserner Arm an die Stelle, wo sich das Schiff-chen befindet, und schleudert es auf die andere Seite, woselbstes, von einem gleichen Arm empfangen nach Bildung einesneuen Faches zurückgeschleudert wird.
Sollen nun verschiedene Schiffchen in verschiedenenZeitabsätzen zur Verwendung kommen, so ist in jenemBehältniss eine Holle angehängt, auf welcher eine Anzahl