50
KAPITEL IV.
Das Einzielien der Kette in das Geschirr, welchesletztere übrigens (seiner "Wichtigkeit für die Güte des Ge-webes halber) vom Fabrikanten geliefert wird, sowie dasAndrehen an eine alte Kette wird natürlich stets beim Weberselbst besorgt.
Das Einschussgarn wird entweder in gespultem Zu-stand aus der Spinnerei bezogen, oder aber, wenn die Ge-schäfte schlecht gehen, in Strängen gekauft und dann demWeber zum Spulen gegeben. Hierfür erhalten sie 0,02 bis0,05 fr. mehr für den Meter Fabrikat. Diese Vergütung istjedoch im Verhältniss zu dem durch das Spulen verursachtenZeitverlust und zu dem Lohn, den der Weber in derselbenZeit durch das eigentliche Weben verdient, viel zu gering.Allein der Fabrikant speculirt darauf, dass die Arbeit desSpulens eine leichte ist, und dass dem Arbeiter in seinerFamilie eine Anzahl Hände zur Verfügung stehen, die die-selbe verrichten können und verrichten müssen, ohne dafürvom Vater eine Vergütung beanspruchen zu können, derenRückerstattung ja schliesslich doch dem Fabrikanten obläge.
Die Leute fühlen diese Art Ausbeutung sehr wohl; beiAngabe ihres Verdienstes pflegen sie daher stets hinzuzu-setzen: „Das ist aber für Zweie“. „Da müssen Zweie daranschaffen“ u. drgl. Wenn nun auch nicht anzunehmen ist,dass das Spulen für ein Stück von bestimmter Länge diegleiche Zeit und Mühe erfordert, wie das Weben desselbenStückes, 1 so muss doch immerhin eine ganz beträchtlicheArbeitsleistung durch den für das Weben allein bestimmtenLohn mitbezahlt werden.
Ist der Weber oder die Weberin aber ledig, oderexistiren in der Familie ’ keine zum Spulen geeigneten Per-sonen, so gibt das einen Anlass zur Bildung von Lohn-arbeitsverhältnissen, in welchen die Weber selbst die Rollevon Arbeitgebern spielen.
Der Fall kommt allerdings so selten vor, und dieLöhnung geschieht auf so verschiedene Art und yariirt sosehr, dass sich aus den aufgestöberten Fällen leider kein
1 Genaue Angaben hierfür konnte ieli nicht erzielen.