DIE WEBEREI IM WEILERTHAL.
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Schluss auf den Werth der Spularbeit im Yerhältniss zurWeberarbeit machen lässt.
Eine alte 86jährige Frau iu Neukirch erhält beispiels-weise für das Spulen des Einschusses zu einem Stück voncirca 7 Zeichen, welches der Weber mit 18 — 20 fr. bezahlterhält, 3 — 3,50 fr. Die Spulerinnen (devideuses) in denAteliers in Steige erhalten dagegen 1,20 fr. für ein Zeichen.Eine verwittwete Weberin in Neukirch gab. an, 1,20 Mk.täglich zu verdienen, von dieser Summe aber 0,48 Mk. derSpulerin abgeben zu müssen. In St. Petersholz fand icheinen alten Mann, der das Spulen gegen Bezahlung von 2 Soupro Meter und Verabreichung von Kost zu übernehmenpflegte. In Diefenbach besorgt ein früherer Weber dasSpulen von 12 Strängen Garn für 2 Sou. Ein „alter Bettel-mann“ im selben Ort begnügte sich gar mit einem Tagelohnvon 3 Sou.
Man sieht: 6 Fälle und ebenso viel verschiedene
Löhnungsarten! Es wäre vielleicht nicht unmöglich, dieselbenalle auf einen Maassstab zu reduziren, die Mühe würdesich aber durchaus nicht lohnen, das Resultat wäre einevöllige Nichtübereinstimmung der verschiedenen Sätze. Alleingerade diese Verschiedenheit, wenn sie uns auch über denWerth der Spularbeit im Unldareu lässt, lehrt uns etw r asanderes weit wichtigeres erkennen. Sie lässt uns einenBlick in das sociale Wesen dieses Arbeitsverhältnisses thun,welchen durch persönliche Eindrücke zu ergänzen ich in derLage bin. Das ganze Verlniltuiss wird beherrscht durch dieGefühle der Freundschaft und des Mitleids. Und zwar findetman diese auf beiden Seiten als Motive wirkend. Man hilftseinem Nachbar aus Freundschaft aus, wenn man geradenichts anderes zu thun hat, und lässt sich dafür, wenn über-haupt etwas, nur eine geringe Entschädigung zahlen. Manwill seinem guten Freund und Nachbar, der augenblicklichnichts zu schaffen hat, eine Kleinigkeit zu verdienen geben,und lässt ihn daher spulen. Mitleid mit dem alleinstehendenNachbar, der Niemanden zum Spulen da. hat, und Mitleidmit dem alten und schwachen zur eigentlichen Weberarbeit
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