KAPITEL VIII.
DIE FAMILIE.
So viele Nachtheile auch die Hausindustrie gegenüber derFabrikarbeit haben mag, einen unschätzbaren Vorzug besitzt sie,soweit ich sie wenigstens im Weilerthal kennen gelernt habe , 1vor jener: sie rettet die Familie vor dem Auseinanderfallen ineinzelne Arbeiter, sie fesselt Vater und Mutter ans Hausund erhält dadurch das Zusammenleben dieser mit den Kin-dern und die Möglichkeit der Erziehung der letzteren durchdie Eltern. Die Fabrikarbeit atomisirt die Familie, dieHausweberei des Weilerthales hält sie aber nicht nur zu-sammen, nein sie kettet auch ihre Mitglieder enger an ein-ander, indem sie das webende Familienmitglied auf die Mit-hülfe der spulenden anweist.
Auch das zweite charakteristische Merkmal der ökono-mischen Stellung der Hausweber: die Beschäftigung mit demLandbau übt entschieden einen wohlthätigen Einfluss auf dasFamilienleben aus. Die rein industrielle Thätigkeit derKinder macht diese — wie uns Sax in seinen Beschreibungender Hausindustrie Thüringens erzählt — gegenüber den Elternberechnet. Sie rechnen ihnen vor, wie wenig sie von ihnenerhalten haben, und wie viel sie ihnen durch ihre Arbeiteinbringen, und das hat sogar manchmal zur Folge, dassganz junge Kinder den Eltern ein Kostgeld zahlen, den durch
1 Sax in seinen Schilderungen thüringischer Hausindustrien hatdas Gegentheil wahrzunehmen geglaubt.