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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
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KAPITEL VIII.

ihre Arbeit gewonnenen Verdienst aber allein einstreichen.Davon ist liier keine Rede. Das Resultat der landwirt-schaftlichen Arbeit lässt sich nicht auf die Mitwirkung jedesEinzelnen rechnerisch zuriiekführen; der Mitarbeiter in derFamilie wird und kann daher nicht nach Verhältniss seinerMitarbeit, sondern nur nach Verhältniss seiner Bedürfnissegelohnt werden. Da nun aber der Erwerb durch Landbaueine grosse Rolle in dem ganzen Erwerbsleben des Webersspielt, so ist überhaupt eine derartige oben geschilderte rech-nerische Auseinandersetzung zwischen Eltern und Kindernunmöglich. Dieser Umstand sowie der günstige Einfluss, dender Landbau überhaupt auf den Sinn des Menschen ausübt,indem er ihm die Achtung vor bestehenden Unterordnungs-verhältnissen erhält, tragen ganz wesentlich dazu bei, einfestes Familienleben unter den Weilerthaler Webern zu er-halten.

Mit der Familie fällt bei den ärmlichen Verhältnissendes Thaies die Haushaltung fast überall zusammen. DieFälle, dass fremde Personen in der Haushaltung lebeu, be-schränken sich auf die wenigenGesellen und andereAftermiether, von denen oben die Rede war.

Gesinde findet man nur in einigen Bauernfamilien, vondenen eine oder die andere sich vielleicht nebenbei mit derWeberei beschäftigt, und auch hier nicht häufig.

Ganz zur Familie zu rechnen sind die Waisenkinder(Waiselkinder), die nicht selten arme Familien den Waisen-häusern gegen eine Entschädigung von jährlich 84 Mk. ab-nehmen. Obwohl man es zuweilen offen eingestehen hört,dass dies als eine Art Erwerbsquelle betrachtet wird, so werdendoch diese Waisen ganz so wie die übrigen Kinder behandelt,so dass sie auch häufig noch weit über das vierzehnte Jahrhinaus, ja noch als erwachsene Menschen in der Familiebleiben, die ihnen durch langjähriges Zusammenleben zureigenen geworden ist.

Im übrigen nehmen am Haushalt ausser Eltern undKindern hin und wieder die Grosseltern oder ein lediges Ge-schwister Theil. Da dieser Zuwachs durch die Abgänge vonder regelmässigen Zahl der Familienmitglieder, welche durch