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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
Entstehung
Seite
170
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KAPITEL IX.

DIE SCHULD VERHÄLTNISSE UND DIE JUDEN.

Es wäre an dieser Stelle eigentlich meine Aufgabe, vonder Menge der Schulden, mit denen die Weilertlialer Haus-weber belastet sind, ein übersichtliches Bild zu geben. Hieraber auch nur annähernd der Wahrheit auf die Spur zukommen, ist für Jemanden, der nicht Wochen lang an demgleichen Ort sich aufgehalten hat, völlig unmöglich; denn dieLeute geben ihre Schulden, wie leicht verständlich, entwedergar nicht oder falsch an.

Dagegen scheint es mir interessant zu sein, einen Blickin die Entstehungsweise der Schulden zu werfen. Und be-züglich dieses Punktes habe ich höchst mittlieilenswertheAufschlüsse insbesondere über das Treiben der Juden imWeilerthal in Erfahrung gebracht.

Der Umfang der Kundschaft der jüdischen Händler istin den verschiedenen Dörfern eine äusserst verschiedene.Während einige Dörfer von der Judenkrankbeit ganz ver-schont bleiben, andere nur an einzelnen Punkten angegriffenwerden, sind andere ganz von ihr durchseucht. Es kommenhier manchmal ganz auffällige Gegensätze vor. So liegendas Dorf Diefenbach, welches als vollständig judenfrei zu be-zeichnen ist, und das total durchjudete Gereuth dicht nebeneinander. Die Judenfreiheit Diefenbachs hat allerdings einenleicht verständlichen Grund. Es wohnt daselbst nämlich einsehr reicher Bauer, welcher als allgemeiner Bankier des