LANDWIRTSCHAFT UND VIEHZUCHT.
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Diese Arbeiten sind: Das Anbinden der Reben imApril, wofür nur Weiber verwendet werden, das Hackender Rebberge im Mai, d. h. das äusserst anstrengende Um-wühlen des Bodens um die Rebwurzeln herum, und die ver-schiedenen Ernteverrichtungen.
Günstigere Gelegenheit zu Tagelohn bieten die Ge-meinden, welche, wie Gereuth, ein grosses Waldterrain be-sitzen. Ausser dem Hauen und Zurichten des Holzes, demVersetzen junger Bäumchen, sind es auch Steinbrecherarbeiten,welche hier zuweilen verlangt werden.
Die land- und forstwirthschaftlichen Tagelöhne sindbeide gleich niedrig. Der Mann bekommt ohne Kost täg-lich 2 Mk., mit Kost 1 Mk., die Frau mit Kost 60 Pf. DieKost ist nur zur Zeit des Rebhaclcens eine reichliche, schliesstaber stets Wein ein.
So gering auch diese Löhne sind, in den Zeiten desStillstandes der Weberei würden die Weber mit ihnenherzlich zufrieden sein. Allein dieselben verfolgt ein eigen-thümliclies Schicksal. Wie der Markircher Fabrikant dieWeberarbeit des Weilerthalers nicht hoch schätzt, weil der-selbe daneben noch Laudwirthschaft treibt, so nimmt derBauer und die Forstbehörde den Weber nicht gern alsTagelöhner, nicht sowohl weil er zu schwach dazu wäre —obwohl bei langjähriger Weberei sich auch dies Momentgeltend macht — sondern weil diese Leute die Arbeitnicht ordentlich verstehen. Und gerade wie die Fabri-kanten behaupten, der Weilerthaler lasse über der Feld-arbeit die Weberei im Stich — und eine Firma aus diesemGrunde im Sommer die Wolle gespult liefert, damit Weibund Kind ins Feld könne, und so der Mann wenigstensdem Webstuhl bewahrt bleibt, ebenso glauben Forst- undLandwirthe, der Weber ziehe die Weberei der Arbeit imFreien vor. Fragt man die Leute selbst und hört die un-befangenen Urtheile Anderer, so sieht man, dass dieseFrage, wie nicht anders zu erwarten, gar nicht allgemeinzu beantworten ist, sondern einmal von den verschiedenenIndividualitäten und zweitens davon abhängig ist, ob dieWeberei gut geht oder nicht. Ist ersteres der Fall, dann