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KAPITEL V.
erklärt. Die höheren Summen, die in Laach, Diefenbach,St. Petersholz und St. Moritz bezahlt werden, sind vielleichtdadurch zu erklären, dass dort ein grosser Theil der in Pachtgegebenen Landflächen sich in den Händen grösserer Grund-besitzer befinden. In Laach ist dies ein Gastwirth und inDiefenbach ein sehr reicher Bauer. In St. Petersholz undSt. Moritz gehören viele Grundstücke einem in Thannweileransässigen Grafen. In der That ist dieser der Eigenthiimerder in St. Petersholz verpachteten Fläche, über welche mirobige Angabe gemacht worden ist, und sind mir in Laachund Diefenbach, namentlich in letzterer Gemeinde, die ge-dachten Grundbesitzer sehr häufig als Eigenthümer derPachtflächen genannt worden.
Um vieles niedriger stellt sich übrigens der Pachtzinsfür die von der Gemeinde durch Versteigerung vergebenenGüter, welche nur mit Hülfe der von mir eingesehenenBudgets genau zu constatiren möglich war. Der Zins hältsich hier durchgehends unter einer Mark pro Ar, und be-trägt oft nur 50 bis 60 Pf. Nur zweimal fand ich höherePreise, in Neukirch 2,88 Mk. und in St. Moritz 2,33 Mk.Hier waren es Matten, die verpachtet wurden.
Diese verhältnissmässig niedrigen Preise, namentlichder Wiesen, lassen es auch sehr zweckmässig erscheinen,wenn der kleine Viehbesitzer statt das Heu zu kaufen, demHang der Eigenwirthschaft folgend, das „Futter lehnt“.Der Centner Heu soll auf diese Weise etwa doppelt sobillig erhalten werden, nämlich durchschnittlich für 2 fr.,während es gekauft 4 fr. kostet.
Die Gelegenheit durch landwirtschaftlichen Tagelohnsein Brot zu verdienen, ist für den Weilerthaler im Allge-meinen und für den Weber insbesondere sehr gering. DerBauer verrichtet seine Arbeiten am liebsten selbst und mitden in der Familie vorhandenen Kräften. Nur zu denschwierigen und viel Zeit in Anspruch nehmenden Arbeitenwerden hin und wieder Tagelöhner genommen und gibt esin den meisten Dörfern 10—15, in den reichen GemeindenErlenbach und Breitenbach 20 — 30 Landwirthe, welchesolche brauchen können.