Druckschrift 
Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
Entstehung
Seite
130
Einzelbild herunterladen
 

130

KAPITEL VII.

Bein, können zusammengeklappt und an einem Haken ander Wand angehängt werden. Mangel an Raum ist es wohlauch, der die in anderen Gegenden uns so anheimelnde Ofen-bank hier vermissen lässt. Statt ihrer dienen dem Sitzbe-dürfniss einfache Stühle mit Holzbrettersitzen, und eine ander Wandseite des Klapptisches, oder wo für einen vier-eckigen Tisch Platz ist, eine an beiden Seiten des Winkelsvor demselben angebrachte niedrige Bank. Niemals aberwerden wir in allgemeinen Wohnzimmern das grosse Ehe-batt vermissen, welches Mann und Frau, und wenn dasJüngste nicht in einer neben dem Bett stehenden Wiegeuntergebracht ist, auch dieses in seinem weiten Schooseaufnimmt. Diese Stellung des Ehebettes im Wohnzimmerscheint ein unbedingtes Gebot der Sitte zu sein, eben-so wie die von der Decke herabhängenden und das Bettin langen Falten umhüllenden, meistens rothfarbigen Vor-hänge, die ich nur in ganz seltenen Fällen einerseits beiganz armen, oder ganz jung verheiratheten Leuten, ander-seits bei mehreren Familien der Stadt Weiler ver-misst habe.

Als Heizinstrument ist jetzt fast allgemein ein kleinereiserner Ofen im Gebrauch, der auch mit Vorrichtungen zumAufstellen der Kochtöpfe versehen ist. Da aber ein beson-deres Abzugsrohr für den Dunst der Speisen wie man esin den Städten zuweilen antrifft, weil viel zu kostspielig,nicht vorhanden ist, so lässt sich denken, dass die Luft desZimmers, für deren Aufbesserung durch Oeffnung der Fensterder Landmann in kalten Tagen grundsätzlich nicht sorgt, ofteine höchst unangenehme und ungesunde ist.

Hin und wieder, besonders häufig in Breitenau undGrube, sieht man noch einen sonderbaren altmodischenKachelofen. Derselbe ist 75 100 cm lang, ca. 50 cm breit,ruht auf thönernen Füssen von ca. 30 cm Höhe und erhebtsich über diese noch ca. 5060 cm. Seine Oeffnung hater durch die Wand nach der Küche, von wo aus er mitFeuer versorgt werden muss. Dieser Ofen gibt zwar einegrössere und namentlich gleiclnnässigere Wärme von sichals der eiserne, hat auch den Vortheil, dass kein Rauch ins