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Zimmer dringt, und dass man daher auch alles möglicheübelriechende Zeug darin verbrennen kann, kostet aber vielmehr Feuerungsmaterial. Es ist darum ein Beweis für dieschlechten Zeiten, wenn man hin und wieder neben demalten Kachelofeu einen neuangeschafften eisernen Ofen trifft.Ueber dem Ofen kann man hin und wieder ein an der Deckebefestigtes Holzgestell antreffen, welches zum Trocknen derWäsche oder auch, je nach Bedürfniss, zum Abtropfen des„Bürkäs“ benutzt wird. Propere Leute haben zu letzteremZweck neben dem Ofen ein an die Wand gelehntes Gestellangebracht.
Der Schmuck des Zimmers besteht regelmässig in eini-gen Heiligenbildern an der Wand, welche, da die Bevölkerungdes Thaies durchweg katholisch ist, meist die Yerehrungs-personen dieses Glaubens darstellt. Auch das nie fehlendeWeihkesselchen, welches in der Form eines nach unten ge-richteten Pantöffelchens neben der Thür hängt, belehrt unsüber die Religion der Hausbewohner.
An Büchern sehen wir nur einige alte Schulbücher,Erbauungsschriften und Legenden, entweder auf dem Schrankoder auf einem Gesimse über der Thür, meist dick mit Staubbedeckt, ruhen, und ausserdem an einem in oder neben dieThür geschlagenen Nagel irgend einen Yolkskalender hängen,den ich meiner Erinnerung nach in keiner einzigen Wohnungdes Thaies vermisst habe.
Yon ungemeinem Einfluss auf den Eindruck, den wirvon einer Wohnung empfangen, habe ich das Aussehen derFenster gefunden. In den von uns augenblicklich betrach-teten Wohnungen finden wir noch verhältnissmässig oftScheiben, welche die ganze Halbseite des Fensters ein-nehmen, die von Gardinen umrahmt und hin und wieder mitBlumen geschmückt sind.
Doch gibt es auch hier sehr viele Zimmer, in welchenGardinen und Blumen fehlen, und die Scheiben aus mehrerenmit Bleiguss zusammengehaltenen Stücken bestehen.
Um in das Schlafzimmer, die sogenannte „Kammer“ zugelangen, müssen wir, wenn diese sich nicht zu ebener Erde,
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