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KAPITEL VII.
sondern, wie häufig vorkommt, unter dem Dach befindet— zweistöckige Häuser treffen wir auf unserer mittlerenWohnungsstufe kaum an — auf einer oft wahrhaft lebensge-fährlichen Treppe oder gar Leiter eine kleine Kletterprobeablegen. Oben angelangt bemerken wir zunächst — dieungemachten Betten. Die Frau, die uns herauf begleitethat, entschuldigt sich zwar regelmässig mit ihrem Mangel anZeit, allein das beweist nur, dass die Leute ihr Unrecht zwarfühlen, es zu lassen aber keinen Trieb haben. Die Ordnungist bei diesen Leuten eben nur für das Auge Anderer da,wo dies für gewöhnlich nicht hindringt, ist jene eine über-flüssige Unbequemlichkeit. Denn das Schlafzimmer dientgewöhnlich auch als Aufbewahrungsstätte für die Kleiderund als Yorrathskammer. Da sieht man denn den Sonntags-staat und die geräucherten Schinken in friedlichem VerkehrZusammenhängen, oder aber eines von beiden — in jenenlanggestreckten Kasten liegen, die unter dem Namen Trulienwohlbekannt sind.
Zu ebener Erde, gegenüber dem Wohnzimmer, auf derlinken Seite befinden sich gewöhnlich die Wirthschaftsräume,Scheuer und Ställe, denen in weitaus den meisten Fällen eingrösserer Raum zugewiesen ist als den Wolmräumen. InBassenberg ist es mir aufgefallen, dass dort häufig der ganzezu ebener Erde liegende Theil des Gebäudes von diesenWirthschaftsräumlichkeiten eingenommen ist, während dasArbeitszimmer in einem ersten Stock sich befindet.
Die Wohnungen dieses Orts bilden aber bereits denUebergang zu denen der besten Stufe, die am häufigstenvertreten sind in Steige, Neukirch, hin und wieder in Weilerund sonst verstreut in anderen Ortschaften. Höchst merk-würdig ist es, dass es sowohl in Neukirch wie in Steigeganz fest begrenzte Viertel sind, in denen die Wohnungendurchaus nicht diesen besseren Charakter zeigen, sondern nurauf der mittleren Stufe, manchmal sogar noch darunter stehen.Es sind dies in Neukirch die im höheren Theil des Dorfesgelegenen Viertel Ratzeneck und das Oberdorf, iii Steige dievon dem vorderen Theil des Dorfes durch einen Zwischen-