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raum von circa einem halben Kilometer getrennten QuartierGass und Haut Steige, von denen letzteres gleichfalls dießergabhänge hinaufklimmt. Versuchen wir nun die liervor-tretendsten Eigentümlichkeiten dieser besseren Wohnungenkennen zu lernen. Gleich, wenn wir in die Wohnstube ein-treten wollen, sind wir überrascht, statt des gewöhnlichen„Drückers“ am Thürschloss eine einfache, gerade für denDaumen Platz genug bietende Platte, eine städtische Thür-klinke zu finden. Der Bote, der uns begleitet, legt seineHolzschuhe ab, denn wir treten in ein reinlich gehaltenesZimmer. Hier ist das tannene Holz der Möbel den besserenSorten, dem Kirsch, dem Nussbaum, der Eiche und demAhorn gewichen. Statt eines eckigen, kahlen, unfreundlichaussehenden schaut uns ein polirter, mit einem Wachstuchoder einer reinlichen Decke geschmückter Tisch entgegen,dessen runde Form uns zeigt, dass die Bewohner bei ihrenMöbeln nicht nur auf das Nothwendige ihr Augenmerkrichten. Auf dem Tisch oder über ihn herabhängend sehenwir manchmal eine bessere, gediegene Lampe, die einen ent-schieden stattlicheren Eindruck macht, als das einfache Blech-gefäss, das sonst an einem Haken an der Wand hängenddie Erleuchtung der Stube nur in unzureichendem Grad be-sorgt. Um den Tisch herum und an den Wänden stehenStühle mit rolirgeflochtenen Sitzen, ein behäbiger, ge-polsterter Grossvaterstuhl ladet die müden Alten zur bequemenRuhe ein.
Schrank und Coinmode zeigen eine gewisse Gediegen-heit und ein altehrwürdiges Aussehen, welches durch dieMetallbeschläge an den Schlössern der letzteren noch mehrhervortritt.
Auch das Ehebett erscheint in stattlicherem Gewände.Die Vorhänge, deren oberer Theil besonders in Steige häufigrund, in andern Dörfern quadratisch ist, tragen oftmals nocheinen faltigen Ueberwurf oder sind mit Spitzen behängt. ImBett selbst liegt statt der gewöhnlichen Seegras-Matraze einewollene.
Die Wände des Zimmers sind entweder gut weiss ge-halten oder aber in besser situirten Familien bis zum Drittel