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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
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KAPITEL VII.

oder der Hälfte der Höhe mit einer Holzbekleidung ver-sehen; ja manchmal treffen wir sogar tapezirte Wände an.Yon den Fenstern lachen uns regelmässig eine Reihe hübscherBlumen und weissgewaschene Gardinen, oft sogar von ge-mustertem Zeug, entgegen. «

Mancherlei Schmuck- und sonstige nicht allein die noth-wendigsten Lebensbedürfnisse befriedigenden Gegenständetreffen wir als Zeichen einer fortgeschritteneren Kultur undeiner behaglicheren Lebensgestaltung an. Der eintönigeTicktack der Uhr mischt sich hier mit dem Schmettern einesübermüthigen Kanarienvogels, und die Ziehharmonika auf derCommode, wie sie namentlich oft in Steige anzutreffen ist,deutet uns an, dass auch geordnetere Tonwellen hin undwieder das Zimmer durchklingen. Und siehe da! ZweiDinge, die wir hier in der ländlichen Thaleinsamkeit kaumzu finden erwartet hätten! Ein Wandspiegel und ein Nacht-tisch. Letzterer steht an jedem Bett in den besseren Quar-tieren von Steige, und wenn er auch begreiflicher Weisenicht die uns gewohnten Toilettengegenstände trägt, so machter doch, geziert mit niedlicher Decke, stets einen recht freund-lichen Eindruck.

Ueberall sehen wir hier das Bestreben, in seinen vierPfählen nicht nur zu hausen, sondern sich dieselben auch zueinem angenehmen Heim zu gestalten. So werden wir fastregelmässig die Commode nicht mit allem möglichen Haus-haltungskram bedeckt, sondern mit Yasen, Figuren, künst-lichen Blumen, Nippsachen und dergleichen geschmücktfinden.

Fast in rührender Weise ist dies Bestreben in Steigeausgebildet. Hier wirkt als Lehrerin eine Schwester, diedie Mädchen nicht nur ganz reizende Handarbeiten zu lehrenversteht, sondern ihnen auch Lust und Liebe zu solchen Ar-beiten und Freude an ihren Resultaten einzuflössen versteht.Da werden denn allerhand Sterne, Blumen, Herzen undsonstige Figuren aus bunten Papierstreifen angefertigt, unddiese oft in recht geschmackvoller Weise an den Wändenzwischen die Christus- und Heiligenbilder aufgehängt.

Ueber die sonstigen Gelasse ist wenig zu sagen, hoch-