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ein paar Schluck, wie andere behaupten, ein paar GläschenSchnaps.
lieber die Kleidung unserer Weber lässt sich wenigsagen. Dieselbe ist durchschnittlich auch bei armen Leutenrecht ordentlich, nur wenn man in die Stätten des tiefstenJammers hinabsteigt begegnet man wohl Leuten, die ausserden Lumpen, die sie auf dem Leibe tragen, keine anderenBekleidungsstücke mehr haben.
Der Sittlichkeitszustand ist als ein durchaus guter zubezeichnen. Trotz der grossen Arrnuth kommen Deliktegegen das Eigentlium vcrhältnissmässig selten vor. Wasdas Yerhältniss der beiden Geschlechter anbetrifft, so legtdie geringe Zahl unehelicher Kinder, die ich in den von mirbesuchten Familien antraf, besonders aber der Umstand,dass, wenn solche vorhanden waren, diese zum weitausgrössten Tlieil nicht zwei Dorfgenossen zu Eltern hatten,sondern von einem Mädchen im auswärtigen Dienst con-cipirt worden sind, davon Zcugniss ab, dass die Behauptung,wie ich sie hin und wieder habe aussprechen hören, „dortund dort hat jedes vierzehnjährige Mädchen schon ihrenGeliebten“, wohl der Wahrheit nicht entspreche, dass jeden-falls aber, wenn solche Verhältnisse bestehen, dieselben nichthäufig zu unsittlichen Handlungen führen.
Was den Gesundheitszustand der Weber betrifft, sohabe ich mich ungemein gewundert, denselben trotz der er-bärmlich schlechten Wohnungen doch verhältnissmässig gutzu finden. Ob die Weberarbeit ganz bestimmte Störungendes Organismus hervorruft, kann ich nicht beurtheilen.Auffallend häufig habe ich sowohl bei dem Kundgangdurch die Häuser, als auch bei der Aushebung zum Militär-dienst, welcher ich von Anfang an beigewohnt habe, eineKrankheit des Schienbeins gefunden, die sehr wohl vonder fortwährenden Bewegung des Trittbrettes herrührenkann.
Die aus der Anzahl der in den Jahren 1875—1884in jeder Gemeinde verstorbenen Personen berechneten Sterb-lichkeitsziffern lassen erhebliche Verschiedenheiten nicht er-kennen, und jedenfalls nicht solche, die aus der verschie-