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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
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SCHLUSSWORT.

1885 aber schon bis Ende April 18 Familien mit 81 Haus-genossen, zusammen also 34 Familien mit 153 Hausgenossenausgewandert.

Soll denn nun aber die Auswanderung das einzigeMittel sein, um die Weilcrthaler Hausweber vor Nothund Elend zu bewahren; oder gibt es einen Weg, um ihnenin ihrem Thale selbst zu helfen ? Ein durchgreifendes Heil-mittel vorzuschlagen gestehe ich ausser Stande zu sein. Viel-leicht aber dürfte das Zusammenwirken der im Folgendenangedeuteten Mittel doch die Lage der Leute einigermassenzu bessern vermögen.

Wenn auch der Landbau im Weilerthal niemals bis zueiner derartigen Ertragsfähigkeit wird gesteigert werdenkönnen, dass er für sich allein den Weilerthalern eine ge-nügende Nahrungs- und Erwerbsquelle bieten wird, so glaubeich doch, dass eine rationellere Wirthschaft hier viel aus-richten kann. Ein besseres Bewässerungssystem wird denErtrag der Wiesen wesentlich steigern, und die Möglich-keit zur Erweiterung des Viehstandes und zur vermehrtenDüngerproduktion liefern. Hiermit würde ein Mittel zur Be-seitigung eines wesentlichen Missstandes des dortigen Acker-baues, nämlich der geringen Düngerzufuhr, gegeben sein;andere Maassregeln müssten folgen. Ob die Düngung mitkäuflichen concentrirten Dungmitteln sich als lohnend erweist,müsste versucht, jedenfalls aber das vorhandene Dungmaterialvollständig ausgenutzt, und nicht wie die abfliessende Jauchezur Verunreinigung von Hof und Strasse verwandt werden.

Ob der Fabrikation von Käse, die so vielen andernGegenden, wie beispielsweise dem Münsterthal, eine reicheEinnahmequelle geworden ist, sich im Weilerthal andereSchwierigkeiten, als die Indolenz und die geringe Unter-nehmungslust seiner Bewohner gegenüberstellen, weiss ichnicht; ein Versuch, die Sache anzuregen sollte jedenfalls ge-macht werden.

In der Weberei wird den Leuten nicht viel zu rathenund zu helfen sein. Kommen sie nicht zur Einsicht, dassihr geringer Verdienst zum grossen Theil auf ihrer eigenenSchuld beruht, und vielleicht trägt das Bekanntwerden dieses