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Die Entstehung des Agrarschutzes in England : ein Versuch / von Richard Faber
Entstehung
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FINANZPOLITIK UND MERKANTILPOLITIK.

zurück. Dabei dient ihr die Rücksicht auf Verhütung vonTheuerungen dazu, ihre Politik populär zu machen.

Indess die Krone erkennt es auch als ihr Interesse, durchSchutz des Bauernstands die Kriegsstärke des Reichs zu er-halten, und als Massnahmen, welche zur Hebung der Schiff-fahrt ergriffen waren, als Nebenwirkung der Getreideausfuhrgezeigt hatten, dass diese den Getreidebau mehre und damit denBauern erhalte, findet unter Elisabeth der merkantile Gesichts-punkt abermals seine Anwendung auch auf die Landwirthschaft.Dabei verbinden sich die Gesichtspunkte der Theuerungspolitiknunmehr mit denen des Merkantilismus. Je blühender dieLandwirthschaft, heisst es, desto reichlicher und billiger dasBrod. Und einmal ins Leben getreten, weiss dieser merkantileGesichtspunkt, sich fortschreitend mehr Geltung zu verschaffen.Zwar gelangt der fiscalische Gesichtspunkt mit der Wieder-aufnahme der Kämpfe zwischen Krone und Parlament unterKarl I. nochmals zur Herrschaft. Noch einmal tritt das Systemder Ausfuhrverbote und Ausfuhrlicenzen in Kraft. Aber mit demSiege des Parlaments siegt auch der volkswirtschaftliche überden fiscalischen Gedanken. Die Ausfuhrverbote und Ausfuhr-licenzen fallen. Eine Ausfuhrbegünstigung folgt auf die andere.Es erfolgen sogar Einfuhrverbote für konkurrirende fremdelandwirtschaftliche Produkte und Prohibitivzölle für fremdesGetreide. Der Höhepunkt aber wird erreicht unter Wilhelm III.,unter dem sogar eine Ausfuhrprämie für heimisches Getreideeingeführt und die Ausfuhrzölle für dasselbe beseitigt werden.

Damit hatte dieselbe Wirtschaftspolitik, welche gleichzeitigfür alle anderen nationalen Erwerbszweige Anwendung fand,in ihrer Anwendung auf die Landwirthschaft ihre Vollendungerreicht. Auch war diese noch der Beruf der ganz überwiegen-den Zahl aller Staatsangehörigen. Aus der blossen Ernährungs-gelegenheit dieser soll sie nunmehr systematisch zu einemblühenden nationalen Gewerbe, und zwar zu einer Export-industrie ausgebildet werden. Allerdings kommen die zu diesemZwecke eingeführten Begünstigungen zunächst nur erst einemTheile der an der Landwirthschaft Interessirten zu gut. Auchgibt es bereits Kreise, deren Interessen durch diese agrarischeSchutzzollpolitik verletzt werden. Aber noch sind diese von