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Die französischen Kolonialbanken / von Otto Soltau
Entstehung
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L DIE FÜNF ALTEN KOLONIALBANKEN.

ihn eventuell durch einen sohle crediteur zu ersetzen. Die Bankenmüssen also für hinreichend Rimessen Sorge tragen. Die ganzeTätigkeit der Kolonialbanken im Wechselgeschäftsverkehr kon-zentriert sich somit auf die Ausgabe von Anweisungen oderTratten und auf die Beschaffung von Rimessen.

Die Ausgabe von Anweisungen und Tratten sind auf Seitender Bank ein Verkauf eines Teils des Kredits, den sie in Paris hat, ein Geschäft, das ihr Geldkapitalien in die Kassen bringtund bei dem sie eine mehr oder weniger hohe Prämie er-hebt. Durch Kauf oder Diskontierung von Tratten zu Rimesse-zwecken verschafft sich umgekehrt die Bank den Kredit desTrassanten. Der Erwerb von Rimessen ist also für sie einAktivgeschäft, eine Kapitalanlage, die sich auf der Kreditseiteihres Kontos beim Kontor zeigen soll. 1 )

Für den Importeur sind die Anweisungen auf das Kontorein Mittel, um seinen Import, d. h. seine Schuld ans Ausland,zu bezahlen. Der Exporteur erhält durch Verkauf oder Dis-kontierung von Auslandswechseln an die Bank den Gegenwertseiner Ware in Geld, d. h. ihren Preis.

Es leuchtet ein, daß, wenn die Bank einen Gewinn ausihren Wechselgeschäften erzielen will, sie ihre Anweisungenund Tratten zu einem Preise abgehen muß, der höher ist alsihr Ankaufs- oder Selbstkostenpreis. Tatsächlich hat auch diePrämie für Anweisungen und Tratten die von der Bank fürden gleichen Betrag in Rimessen gezahlte Ankaufsprämie stetsum mindestens ein Prozent überstiegen. 2 ) Diese Ankaufsprämiefür Rimessen der Bank war verschieden hoch, je nachdem einRimessenmangel oder Rimessenüberschuß bestand, d. h. je nach-dem der Import oder der Export überwog. In den Zuckerkolonienrichtete sich das nach dem Ausfall der Zuckerernten. Anderslagen die Verhältnisse in Guyane und Senegal . In Giryane fehltejede landwirtschaftliche Tätigkeit und damit der Export vonLebensmitteln. An dessen Stelle dienten die Sendungen vonRohgold, das in Guyane gefunden wurde, dazu, den Import der

') Denizet a. a. 0. S. 137.

2 ) Vergl. die jährlichen Berichte der Ü. Ko.