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Die französischen Kolonialbanken / von Otto Soltau
Entstehung
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I. DIE FÜNF ALTEN KOLONIALBANKEN.

erreicht ist. Auch die Kontokorrentziffern 1 ) des Geschäftsjahres1882/83 bedeuten einen Höhepunkt, wenn man die Bank vonReunion ausnimmt. Das war nur möglich bei sehr günstigenKonjunkturen. Der Zuckerpreis hielt sich damals zwischen 60bis 65 fr. pro Doppelzentner, und die Zuckerproduktion betrugin Martinique 50 Millionen Kilogramm, in Guadeloupe 50 bis60 Millionen Kilogramm und in Reunion sogar 70 MillionenKilogramm. 2 ) Welch enormen unmittelbaren Einfluß die wech-selnden Wirtschaftskonjunkturen auf das Geschäftsergebnis unddie Dividenden der 3 Kolonialbanken ausübten, möge nachfol-gende Gegenüberstellung veranschaulichen.

Es wurden durchschnittlich als Dividende verteilt:von den Banken in den Jahren 1857/70, hingegen 1870183

von Martinique . . . 9,32 °/o 15,34 o/ 0 ,

Guadeloupe . . . 7,19 °/o 13,82 o/ 0 ,

Reunion .... 8,57 °/o 14,67 o/o,

d. h. in der 2. Periode durchschnittlich ca. 6 o/o mehr als in derersten. Die Tabelle zeigt einen bedeutenden Unterschied zwischendem Ergebnis einer anhaltend günstigen Periode (18701883)und demjenigen einer gleich langen, aber von Krisen unter-brochenen Wirtschaftsperiode (18571S70).

1884 setzte unvermittelt eine Zuckerkrise, ohne gleichenein. Der Zuckerpreis fiel infolge der Konkurrenz der Zucker-rübe von 65 fr. pro Doppelzentner auf 35 fr. 3 ) Auf Grund derin den vorigen Perioden gemachten Erfahrungen wurden vonden Banken sofort die Vorschüsse sowie die Ausgabe von An-weisungen auf Frankreich eingeschränkt, so daß die Banken vonMartinique und Guadeloupe dank einer guten Ernte ohne Schadendie Krise überwanden und erstere von 1887/90: 14,5 °/o, 14°/ound wieder 14%, letztere 19°lo, 23 °/o und 24,5% Dividendezahlen konnte.

Ernster lagen die Verhältnisse in Reunion. Trotz glänzenderDividenden seit 1874 hatte die dortige Bank schwer zu leiden unter

') Siehe Anmerkung 1 auf Seite 69.*) Denizet a. a. 0. S. 174.3 ) Denizet a. a. 0. S. 174