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Der ältere Großvcrkehr. Fluß- und Seeschiffahrt der Neuzeit.
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gegen 1820—1860 die großen Kapitalien, welche für die meisten Verkehrsanlagen nötigwaren. Die vorwärts drängenden Interessen des Verkehrs und des Großhandelsforderten nun von Tag zu Tag energischer Befriedigung. Die neue Technik liefertedie Mittel, gab häufig den Anstoß. Der verbesserte Schiffsbau, die Flußregulierung undder Kanalbau, die Dampfschiffahrt und die Eisenbahnen, die Posten und der Straßen-bau wirkten zusammen, von 1830, noch mehr von 1870 an einen Verkehr zu schaffen,wie er früher nie bestanden hatte. Betrachten wir das einzelne etwas näher.
Die Flußläuse wurden in den Kulturstaaten successiv verbessert, mit Leinpsadenversehen, durch Hasen und Quaibauten benutzbar gemacht. Die Kanalbauten nahmenzu: Frankreich hatte 1700 678, 1800 1004, 1870 4656 Kilometer; für Flüsse undKanäle hat Frankreich 1314—1897 1,5 Milliarde Francs ausgegeben (Schumacher). InDeutschland wurden bis 1786 1111 Kilometer, von da bis 1870 1621 Kilometer, vonda bis 1894 926 Kilometer künstliche Schiffahrtsstraßen gebaut; mit denen im Reichs-land und mit denen von unsicherer Entstehungszeit machten sie 5264 Kilometer 1394aus; daneben stehen 6—7000 Kilometer schiffbare Flußstrecken (Kurs). Die größerenBinnenschiffe bewegten sich bis 1840 in Größe von 75—400 Tonnen, sie sind 1877bis 1897 von 80 auf 160 Tonnen durchschnittlich gestiegen; mit den Stromregulierungenund der Dampsschleppschiffahrt hoben sich viele auf 600, auf dem Rhein schon bis zu1000, ja 2000 Tonnen. Die neuesten Kanäle werden für 400 und 600 bis 300Tonnenschiffe gebaut. Ein Schiff von 2000 Tonnen ladet so viel wie sechs Eisenbahn-güterzüge. Der Verkehr aus den 6 rheinischen Hauptzollämtern stieg von 1333 auf 1850und 1866 von 17,9 auf 46,9 und 82,6 Mill. Centner. Auf den gesamten deutschenWasserstraßen hob sich die Summe der geleisteten Tonnenkilometer (worunter wir dieMultiplikation der beförderten Tonnen mit der Zahl der durchlaufenen Kilometer ver-stehen) von 1875 auf 1895 und 1898 von 2,9 auf 7,5 und 10,7 Milliarden. Schienlange in der Zeit des Eifenbahnbaues der Verkehr auf der Eisenstraße zur Hauptsachezu werden, so stieg er 1875—1895 doch nur um 143 Prozent, der Binnenwasserverkehraber um 159 Prozent; 1895—1898 der erstere um 23, der letztere um 43 Prozent.Der langsame Massenverkehr ist leichter unter Benutzung der billigeren Wasserfracht mitHülse großer Schiffe auf verbefferten Wasserstraßen zu bewältigen.
Noch gleichmäßiger und großartiger war die Entwickelung der Seeschiffahrt.
Beruhte sie lange noch auf dem Segelschiff, seiner technischen Verbesserung, seinervollkommenen Segelnutzung (vgl. I S. 212), so wurde doch bald die Dampsschiffahrtund der Bau der Schiffe aus Stahl und Eisen das leitende Princip. Die schüchternenAnsänge der Dampfschiffahrt fallen in die Zeit von 1806—30; die erste große praktischeWirksamkeit in die von 1850—70; das Zurücktreten der Segel - gegen die Dampf-fchiffahrt in die letzten 30 Jahre. Die alten Holzfegler hatten 2 — 500 RegistertonnenRaumgehalt, die neuen haben 2—3000; die großen Dampfschiffe 4—5000 ja bis21000, die Schnelldampfer bis 16 000; kosteten die Holzsegler bis zu 50 000 Mk., sokommt ein großer Schnelldampser heute auf 10—12 Mill. Mark. In den beiden bei-gesetzten Jahren kamen nach dem Nautilus von der Seehandelsflotte auf die Dampf-tonne (v?) und die Segeltonne (81)
in der ganzen Welt in England in Deutschland
1890 12,8 Mill. vl 10.S Mill. 8? 8,0 Mill. vr 3.6 Mill. 81 0,9 Mill. 01 0,7 Mill. S11900 19,7 „ „ 8.3 „ ,. 11.0 ., ,. 2,6 .. .. 1,8 „ ., 0.6 ., .,
Mehr und mehr sind es die großen atlantischen Dampferlinien, welche außer demPersonen- und Nachrichten- auch einen steigenden Teil des Güterverkehrs bewältigen.Sie liegen in der Hand von riefenhaften Aktiengesellschaften; die Hamburg -Amerika-linie hatte 1901 117 Ozeandampfer im Betrieb, 152 Flußdampfer, See- und Fluß-schlepper, insgesamt 279 Fahrzeuge mit 661355 Rg.-Tons, ihr Kapital, ein-schließlich Reserven, betrug 140 Mill. Mark. Da 70—80 Prozent des ganzen Welt-handels sich heute auf dem Meere bewegen, so liegt der Schwerpunkt des Weltverkehrsheute auf den Seedampfern. Ihre Leistungsfähigkeit ermißt sich nach der Berechnung