Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Der neuere Großhandel; Makler, Agenten, Kommissionshäuser.

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Betriebes: neben den Eigen- hat sich in breiter Weise der Kommissionshandel,neben den Vorrats- der Spekulationshandel gestellt. Die selbständige undgroßartige Ausbildung der Kreditgeschäfte ist eine der prägnantesten Züge derneueren Handelsentwickelung: das Kreditgeschäft sucht dem Warenhandel mehr und mehrdie schädliche Kreditierung der Bezahlung abzunehmen, ein großer Fortschritt in derArbeitsteilung; statt des inkompetenten Warenverkäusers ist jetzt mehr und mehr derkompetente Kredithändler mit der Kreditgewährung betraut. Neben dem Kreditwesenhat sich als besonderer Zweig das Speditionsgeschäft entwickelt, das die Ver-mittelung zwischen Versender und Frachtgeschäft besorgt; dazu kommen die besonderenLagerhausgeschäfte, teils in den Händen der Spediteure, teils in solchen vonAktiengesellschaften und Gemeinden: die Aufbewahrung der Waren gegen Gebühren ist zueinem besonderen Geschäft geworden. Wo, wie in den amerikanischen Getreidelagerhäusern,alles Getreide nach einem festen Klassensystem tarifiert wird, hört der Einlegende auf,Eigentümer der eingelieferten Ware zu fein; der ihm ausgestellte Lagerschein (Warrant)berechtigt ihn nur zur Verfügung über ein, gleiches Quantum Ware derselben Klasse.

Das Makler Wesen als Hülfsgewerbe hat sich sehr ausgebildet, ist zugleichaber etwas ganz anderes geworden; 1837 zählte man in Altpreußen 275 Makler, 1861349 im Groß-, 1921 Makler und ähnliche Vermittler im übrigen Handel; 1895 zählteman in den alten Provinzen etwa 20 000 Makler, Kommissionäre und Agenten (inganz Deutschland 46 734). Diese verschiedenen Arten von Geschäftsvermittlern gehenjetzt vielfach ineinander über; der Makler hat mehr und mehr sich der alten Pflicht,nicht selbst Geschäfte zu machen, entzogen, er verbindet eigene Geschäfte mit der Ver-mittlerrolle. Im ganzen aber ist auch heute noch seine Rolle die, am selben Orte, anderselben Börse zwei Parteien ohne eigenes Risiko zusammenzubringen, dabei die In-teressen beider wahrzunehmen.

Neben den Mäkler sind die Agenten und die Kommissionäre getreten. Dieersteren sind Vermittler aller Art, suchen hauptsächlich den Warenabsatz sür Fabrikenan dritten Orten, in großen Städten, Seeplätzen, fernen Ländern zu gewinnen. Siedienen fo ähnlichen Zwecken wie die Reisenden der großen Geschäfte, deren Zahl im19. Jahrhundert so außerordentlich zunahm. Aber der Reisende ist Beamter einesGeschäfts, einer Fabrik; er wird mit festem Gehalt, vielleicht daneben mit Provisionbezahlt. Der Agent ist selbständiger Gewerbetreibender, er erhält regelmäßig eineProvision. Er ist sür ein bestimmtes örtliches Gebiet bestellt, hat häufig ein Muster-lager, vertritt oft mehrere Häuser, denen er zugleich Mitteilungen über den Bedarf derKunden, über die Absatzmöglichkeit macht. Er verkaust teils reisend, teils am Ort seinesWohnsitzes, aber nicht aus seine Rechnung, sondern aus die seiner Auftraggeber. GroßeMaschinen-, Textil-, Cigarrenfabriken haben so ihre Agenten an den Hauptverkaufsplätzen.

Daneben giebt es nun noch Hypotheken-, Geld-, Inseraten-, Versicherungs-, Aus-wanderung^, Transportagenten, Musik- und Theateragenten, Agenten für Stellen-vermittelung, Gclegeuheitsagenten. Sie alle machen aus der Vermittelung ein Geschäft.Da zu diesem Betrieb meist kein Besitz gehört, so ist der Zudrang und die Konkurrenzvielfach fehr groß. Thatkräftige, fkrupellose Elemente, oft auch in Konkurs geratenesind nicht selten. Klagen aller Art über einzelne Branchen und Teile dieses Vermittlcr-tums sind weit verbreitet, haben z. B. bei den Auswanderungsagentcn zum staatlichenKonzessionszwang geführt. Andererseits sind ungewöhnlich tüchtige und sehr ehrbareLeute unter ihnen, vor allem die verkaufenden Warenagenten vermitteln einen großenTeil des Absatzes unserer Industrie; ohne sie wäre der Export häufig nicht möglich.Sie sind oft das Zwischenglied zwischen dem Fabrikanten und dem exportierendenKommissionshaus.

Das Kommissionshaus kauft und verkauft in fremdem Auftrag gegen eine festeEntschädigung, handelt aber dem Dritten gegenüber in eigenem Namen, haftet häufigdem beauftragenden Verkäufer für Zahlung des Käufers; es macht in steigendem Um-fang daneben eigene Geschäfte, muß große Kredite geben, bedarf deshalb großer Mittel.Das Kommissionsgeschäft hat sich zuerst, wohl in Antwerpen , im 16. Jahrhundert

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