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Die neueste Ordnung des Maß- und Gewichtswesens.
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ist eine erhöhte Garantie für die dauernde Erhaltung der konventionellen Grundlagedes Systems gegeben, und die Wahrscheinlichkeit weiterer internationaler Ausdehnungdesselben gewachsen.
Die Ein- und Durchführung des metrischen Maß- und Gewichtssystcms inDeutschland hat in Zusammenhang mit den Fortschritten der Präcisionstechnik und mitder Wirksamkeit der physikalisch-technischen Rcichsanstalt in Charlottenburg , welchegewisse feinere Meßinstrumente, z. B. elektrotechnische, Prüft, dazu geführt, daß derheutige Zustand ein im ganzen befriedigender bei uns ist. Im einzelnen hängt er davonab, wie die sogenannten Aichungsbchörden, welche die gewöhnlichen Maße, Gewichte undWagen prüfen und stempeln, fungieren, wie weit ihre und der Polizeibehörden Kontrollegeht, wie weit der Zwang reicht, nur amtlich geaichte Maße, Gewichte und Gefäße zubrauchen, und wie mit der wachsenden Sicherheit und Ehrlichkeit des Verkehrs alleHandelsgebräuche und Sitten sich dem entsprechend verfeinern. Dahin gehört dasVordringen des Handels nach Gewicht an Stelle des Handels nach Hohlmaß, diesteigende Anwendung von Meßinstrumenten für die Qualität, wie sie im Spiritus-handel bei uns schon rechtens ist; — dann die Ermächtigung, die durch Gesetz vom27. Mai 1896 § 5 jetzt der Bundesrat hat, für einzelne Gebiete des Handels vor-zuschreiben, daß er nur in gewissen festen, konventionellen Mengen, z. B, Kilogrammen,Liiern stattfinden dürfe. Nach diesen Richtungen hin sind noch große Fortschrittemöglich, vor allein auch im Verkehr der Arbeiter mit den Unternehmern; in England z. B. werden die Wagen, welche die durch die Arbeiter geförderten Kohlen verwiegen,durch diese selbst mit kontrolliert, was in Deutschland nicht stattfindet.
Es handelt sich bei allen diesen Fortschritten um die Vereinheitlichung undEthisierung der Verkehrstransaktionen, wodurch zugleich die Sicherheit und Raschhcitder Geschäfte, die Gerechtigkeit in Handel und Wandel wächst. Stets müssen die öffent-liche Meinung und die Sitte ebenso mithelfen wie der staatliche Zwang, die staatlichenEinrichtungen und die Strafe.
163. Entstehung des Geldes und der Münze. So gering der Tausch-verkehr primitiver Menschen sehr lange Zeiträume hindurch war, so hat er doch, wiewir sahen, nie ganz gefehlt. Und nicht bloß hatten früh einzelne Häuptlinge mitNachbarhäuptlingen Schmuck und Waffen, einzelne Stammesglicder mit anderen ausdem Markte Vieh und anderes zu tausche», es waren daneben und vielfach in großemUmfange Weiber zu kaufen, Bußen zu zahlen, Tribute an Fremde und Abgaben fürStammeszwecke zu entrichten. Jeder Naturaltausch mußte den größten Schwierigkeitenbegegnen, sofern der eine wohl das Gut des andern, aber nicht leicht dieser das desersten brauchen konnte, sofern viele Güter nicht teilbar, nicht aufzubewahren waren; mankam über die Hauptschwierigkcit nur hinweg, wenn der das Stück Vieh, den Sklaven,das Schwert des andern Begehrende bereit und fähig war, ein Gcgengnt zu geben, dasallgemein beliebt, immer leicht wieder anzubringen, allgemein „gangbar und markt-fähig" war. Und auch beim Weiberkauf, bei den Bußen und Abgaben, nahmen dieBezugsberechtigten nicht gern alles, sondern bevorzugten Vieh, Metalle, Felle, Muscheln,kurz Güter, die auch bei den Nachbarn Absatz fanden, die allgemein auf dem Marktebegehrt wurden.
So entstanden sehr srüh gewisse Gruppen von vorzugsweise begehrten undbeliebten Gütern als allgemeine Zahl- und Tauschmittel, Güter, die zunächst demBedürsnis noch ebenso direkt dienten, wie sie daneben von Hand zu Hand gingen, dieaber doch nach und nach wegen ihrer Brauchbarkeit sür den Markt und sür andereZahlungen eine eigentümliche Stellung, eine besondere Wertschätzung erhielten, baldauch wegen der Sitte, sie weiter zu geben, vorzugsweise in bestimmter Art, Form,Größe hergestellt wurden, so weit dies möglich war, in bestimmter Qualität ausgelesen'und zur Zahlung benutzt wurden, soweit sie reine Naturprodukte waren. Die Metallewurden in bestimmter Schmuck- oder Nutzsorm, als Messer, Pflugschar, Ring, oder auchin Platten, Kugeln, Würfeln von gleicher oder ähnlicher Größe bevorzugt, die Fellemußten die Schnauze des Tieres noch haben, die Stücke Wollgewebe mußten als
Schmoller, Grundriß der Voltswirtschaftslehre. II. I,—a. Aufl. 5