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Tie cmzclnm Münzc», das Müiizsyswn, die Scheideminizc.
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system schuf, war entweder der Anschluß an die bestehenden Gewohnheiten und Wert-vorstellungen des Landes oder die Annahme der Münzen des Haupt- oder des Nachbar-landes das Ausschlaggebende. Die Geschichte des Münzfußes der großen Kulturstaatenbesteht fast durchaus iu der fuccessiven Erleichterung des alten Geldes: nachdem es ausden mehr erwähnten Ursachen schlechter geworden war, erkannte man das zuletzt gesetzlichim neuen Münzfuß an. So ist der deutsche Thaler von 27,4 aus 16,6 Gramm von1566—1871 gesunken; so das livrv tournois oder der.Franc von etwa 415 auf 5 Grammlegierten Silbers; das ist ein Rückgang aus V8» (Lexis). Als Deutschland einen neuenMünzsuß 1871—73 wählen mußte, um endlich ein einheitliches Geld zu schaffen, warnur die Frage, ob man etwa wie die Schweiz, Belgien, Italien, Griechenland, Spanien ,den sranzösischen Franc wählen oder durch Annahme des '/»-Thalers^ oder 10-Groschen-stücks sür den größeren Teil Deutschlands den Übergang erleichtern wolle. Manentschied in letzterer Richtung, weil man sich zugleich sagte, dieselbe Münze mit einemgroßen Nachbarstaat zu haben, könne ohne Garantie einheitlicher Münzverwaltung,einheitlicher Gold- und Währungspolitik unter Umständen, vor allem durch Eindringender fremden Münze, mehr schaden als nützen.
Aus dieser historischen Entstehung aller Münzeinteilung erklärt es sich auch, daßeinzelne Länder zeitweise ihre Hauptmünze nicht geprägt haben, sondern nur Teile oderVielsache derselben. Als Preußen 1666 und 1690 zu einem leichteren Thalerfuß über-ging, prägte es lange nur ^/s- und Vs-Thaler als Zahlungsmünze, weil es mit etwaigenganzen Thalern nicht dem alten schwereren Reichs- oder Speciesthaler Konkurrenzmachen wollte, der Thaler war also, bis Friedrich d. Gr. ihn auch prägte, nur eineRechnungsmünze. Manche deutsche Staaten haben lange nur kleines Geld geprägt,um mehr daran zu verdienen, aber gar nicht den Gulden, nach dem gerechnet wurde.Als Frankreich den Franc, Deutschland die Mark als Hauptmünze einführte, warenbeide Münzen für den großen Verkehr und hauptsächlich für das Goldgeld zu klein.Die 10- und 20 fachen Stücke wurden deshalb die wichtigsten großen Münzen. Eskann so ein Gegensatz bestehen zwischen der Hauptrechnungsmünze (der Mark) und derHauptzahlungsmünze (dem 10- und 20-Markstücke). Tie Hauptrechnungseinheit ist mehrdurch traditionellen Gebrauch, die Hauptzahlungsmünze durch münz- und verkehrs-technische Zweckmäßigkeit bestimmt. Die neuere Entwickelung hat aber teils dieRechnungseinheit und die Hauptmünzeinheit zu identifizieren, teils sie wenigstens in einsehr einfaches Zahlenverhältnis zu bringen gesucht.
o) Scheidemünze. Das notwendige Nebeneinanderbestehen von großen, mittlerenund kleineren Münzen hat im neueren Münzwesen zu dem Gegensatz von Voll- oderCourant geld und von Scheidemünze geführt, wie wir oben schon sahen. Währendin älterer Zeit alle Münze für die Zahlungen sich gleichstand, ist heute nur dasCourantgeld für alle Zahlungen gesetzliches Zahlungsmittel, die Scheidemünze brauchtnur in kleinen Beträgen genommen zu werden. Die historische Ursache liegt 1. in dertechnisch-wirtschaftlichen Thatsache, daß man besser für Großzahlungen Großgeld, fürKlcinzahlungcn Kleingeld verwendet und 2. in den Jahrhunderte langen oben geschildertenMißbräuchen, welche sich die Regierungen und Münzpächter mit dem kleineren Geldegestatteten. Das größere Silbergeld und das Golbgeld konnte man nicht Ho unbemerktimmer schlechter machen, man prägte es dafür um so weniger; desto mehr aber kleineMünze, und zwar immer leichter, immer mit stärkerem Kupserzusatz, so daß zuletzt dieSilbermünzen statt 13—14 nur 4—8 lötig waren, aus der Mark Silber statt 9—1412—20 Thaler geprägt wurden. Den so erzielten fiskalischen Münzgewinncn stand dieVerschlechterung des Münzfußes, die Unsicherheit aller Münzwerte gegenüber. Auchdie mittleren Münzen hatten an diesem Verderb teilgenommen. Fast alle Münzwirrenvon 1250 bis 1850 gingen hierauf zurück.
Da man nun in der neueren Münzpraxis doch davon nicht lassen wollte, diekleinen Münzen entweder etwas leichter, oder stärker legiert, oder beides zugleich,oder gar aus billigem Kupfer oder Nickel zu prägen, so griff man zu solgenden Grund-sätzen: An Scheidemünze darf pro Kops der Bevölkerung nur ein bestimmter Betrag
ZchmoUer, Grmidiiß der Volkswirtschastslchre. II, I.—>!, Aufl. 6