82 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. ^54<»
und nur durch die Regierung, nie auf Spekulation durch Private geprägt werden, sodaß ihr geringerer Metallwert wegen ihres Seltenheitswertes Praktisch keine Wirkunghat; es ist gleichsam eine Kreditmünze, eine Zeichenmünze, eine staatliche Anweisung.Teilweise sind auch Vorkehrungen getroffen, daß jeder die Scheidemünze gegen Rollgeldumwechseln kann. Und niemand braucht sie bei größeren Zahlungen zu nehmen, z. B.in Deutschland die Nickelmünze nur bis zu 1, die silberne Scheidemünze (50-Pfennig-1-, 2- und 5-Markstücke) nur bis zu 20 Mark. In den Goldwährungsländern pflegt alleSilbermünze neben der Kupfer- und Nickelmünze Scheidemünze zu sein; in den Doppel-währungsländern ist die Grenze verschieden bestimmt; in Frankreich sind die MünzenVon 2 Franc abwärts Scheidemünze. Durch diese jetzt in den größeren Staaten strengfestgehaltenen Grundsätze und durch die Verpflichtung oder Praxis der Regierungen,alle über das Maß des sogenannten Passiergewichts abgenutzten Münzen aus ihreKosten oder auf die des einzahlenden Besitzers einzuziehen, aber nicht mehr auszugeben,sondern umzuprägen, ist endlich das große Ziel erreicht, ein solides festes Geld- undMünzwesen durch Jahrzehnte hindurch zu erhalten. Die Abweichung, die die neu-geprägten Münzen gegenüber ihrem Sollgehält zeigen dürfen, das sog. Remeäiuro, istebenfalls in engen Grenzen heute gesetzlich sestgelegt (z. B. bei den 10- und 20-Mark°stücken 2^/2 pro Mille am Feingehalt, 2 pro Mille am Gewicht), so daß auch nachdieser Seite die Garantie für volles gutes Geld gegeben ist.
ä) Schlagschatz und Münzverwaltung. Die Konsequenz dieser Maß-regeln ist der Verzicht auf erhebliche, unter Umständen auf alle Gewinne aus derMünzverwaltung, der Verzicht auf den sog. Schlagschatz; die Münze mußte auseiner finanziellen Einnahme eine unter Umständen kostspielige Verkehrsinstitution werden.Man hatte früher einen Gewinn von 1—8 Prozent aus jeder Prägung verlangt odererstrebt und ihn dadurch erzielt, daß man entweder im Münzgefetz das anerkannte, oderunter rechtlicher Verschleierung desselben leichter prägte, als das Gesetz es bestimmte.Verpachtete man die Münze, so stellte die Pacht diesen Gewinn, den Schlagschatz dar;der Pächter schlug dann eben so, daß er auf seine Kosten und die Pacht kam. Prägteder Staat aus seine eigene Rechnung, so mußte er entweder beim 30-Thalerfuß abwarten,bis er Silber zu 29 Thaler 20—24 Groschen erhielt, dann konnte man aus dem Pfunde30 Thaler prägen und daneben die Kosten ersetzt erhalten, ja sich noch einen Gewinn(Schlagschatz im engern Sinn) berechnen; oder man mußte eben auch leichter prägen.Daher ist der Kern aller Klagen der Münzverwaltungen seit Jahrhunderten der „Silber-kauf". Bei billigem Preis des Rohsilbers, wenn beim 14-Thalersuß die Mark feinSilber nur 13^4 Thaler kostete, war leicht zu prägen; meist war aber die cirkulierendeMünze, mit der man lauste, bereits abgenutzt oder unterwertig geprägt, und dannkonnte man sür 13 Thaler 18 Groschen keine Mark, für 29 Thaler 20 Groschen keinPsund Silber kaufen. Der hohe „Silberkauf" nötigte immer wieder zu schlechtererPrägung, zum Übergang vom alten zu einem leichtern Münzfuß. Nun kann eingroßer Staat mit leidlich geordnetem Geldwesen sich auch dadurch helfen, daß er malein oder mehrere Jahre gar nicht Prägt, in der Erwartung, so den Wert der Münzezu erhöhen, den der -Barren herabzudrücken. Aber ob das Experiment gelingt, hängtvom Weltmarkt ab. Und wenn es an Münze fehlt, so reizt dieses Abwarten zumEindringen fremder schlechter Münze. Daher haben die weitsichtigeren staatlichen Münz-verwaltungen sich im 19. Jahrhundert, soweit es überhaupt Sache des Staates bliebselbst zu prägen, sich auf den Standpunkt gestellt, daß sie unabhängig vom jährlichenGewinn oder Verlust der Münzverwaltung jährlich bestimmte Mengen prägen; siekonnten nur hoffen, einmal die Gewinne aus der Scheidemünzprägung und dann dieaus Jahren mit billigem Barrenpreis zu verwenden, um die höheren Münzkosten deranderen Jahre auszugleichen. Handelte es sich um den Übergang zu einer andernWährung oder einem neuen Münzfuß, also um ganz große Münzprägungen in einemoder zwei Jahren, so durste man sreilich auch Opfer von Millionen nicht scheuen,um in kurzer Zeit unter Beseitigung der alten Münze einen Schatz neuer Münze von40—100 und mehr Mark pro Kopf der Bevölkerung zu schaffen.