Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Kosten der Münzverwaltung, Privatpriigung, Mnnzliedarf.

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Daneben hat man neuerdings auch ziemlich allgemein Privaten das Rechteingeräumt, in der staatlichen Münze Courantgeld prägen zu lassen. Sicher ist diesauch früher ost geschehen, zumal in Handelsstaaten. Aber es ist schwer, festzustellen,in welchem Umsang. Jedenfalls haben in Deutschland seit den letzten Jahrhundertenvon den Mißbräuchen der Münzpächter abgesehen wesentlich nur die Regierungengeprägt. Auch sonst gehört die Prägung durch Private mehr der Neuzeit an. Dieenglische Regierung prägt für Private umsonst, die anderen thun es meist gegen einePrägegebühr, die den Kosten entspricht. Wo der Edelmetallhandel und die Kassenhaltungaller großen Geschästsleute auf große Banken übergegangen ist, welche das Verkehrs-bedürfnis an Münze richtig übersehen, kann man in gewöhnlichen Zeiten es allerdingsdiesen Organen überlassen, Barren in dem erforderlichen Betrag in Münze umwandelnzu lassen. Nur müssen die Staatsorgane stets zugleich daraus achten, ob genügendund zwar gutes eigenes Geld die Vcrkehrskanäle des Landes erfülle.

Sie werden zu diesem Zwecke die Cirkulation fremder Münze erschweren oderverbieten, was nur Schwierigkeit bietet, wenn nicht genug eigene gute vorhanden ist;sie werden stets statistisch zu verfolgen suchen, was von dem gemünzten Geld etwadurch industriellen Verbrauch oder durch Export verschwinde, und werden darnach zuüberlegen haben, ob genug Münze vorhanden sei, ob sie etwa, falls nicht die Bankenprägen lassen, selbst durch Neuprägungen den Münzvorrat ergänzen sollen. Hauptsächlichaber werdcu sie suchen, durch eine richtige Währungs-, Bank- und Handelspolitik aufErhaltung der nötigen eigenen guten Münze hinzuwirken.

e) Der Münz bedarf der Kulturstaaten ist natürlich je nach dem Stande derArbeitsteilung, des Verkehrs, der Kreditentwickelung, welche viele Geldübertragungendurch Kreditgeschäfte ersetzt, je nach dem Umfang der individuellen Schatzbildung undSchnelligkeit der Geldcirkulation ein ganz verschiedener. Nach Soetbeers Schätzung von1891 kommen in Skandinavien 1718 Mark, in der Schweiz 5253, in Deutsch-land 56, in den Vereinigten Staaten 65, in Großbritannien 73, in Belgien 83, inFrankreich über 260 Mark auf den Kops der Bevölkerung. Humboldt schätzte im Anfangdes 19. Jahrhunderts den Bedarf des nördlichen und östlichen Europas auf etwa 24,des südlichen und westlichen aus etwa 45 Mark, Rau rechnete etwas größere Summenzwischen 20 und 58 Mark. Man kann Wohl annehmen, daß der Bedarf pro Kopfzuerst mit Ausbildung der Geldwirtschast steige und zwar um so stärker, je langsamerdie Cirkulation, je größer noch die private Schatzbildung ist, daß aber von einemgewissen Sättigungspunkt an die vollendete Geld- und Kreditwirtschast wieder mit vielweniger Hartgeld auskomme, zumal je mehr Banknoten, Papiergeld, Wechsel- undGiroübertragungen zunehmen. Ich schätze, daß einzelne Gebiete Italiens undDeutschlands schon im 15.47. Jahrhundert Münzbeträge von 1540 Mark proKopf hatten.

Über die jährlichen Münzprägungen haben wir für einzelne Städte und Gebieteund einzelne Jahre und Perioden sichere Zahlen bis zurück ins 15. und 16. Jahr-hundert. Aber sie beweisen über den Münzumlauf nicht viel, da gerade aus den meist-prägenden Orten und Gebieten sehr viel und rasch Geld ausgeführt wurde; wir wissenanch nie, welcher Teil der neuen Münze aus Barren, welcher aus alter Münze geprägtwnrde. Kursachsen prägte 15721629 sür 15,8 Mill. Reichsthaler, etwa zu 4,15 Markalso 71,1 Mill. Mark; die Bevölkerung wird höchstens eine halbe Million betragenhaben, also pro Kopf 142 Mark; es cirkulierte aber 16001620 sicher nicht V» oderi/s davon mehr im Lande. Für Brandenburg-Preußen berechnete ich, daß, alle Münzeauf Silber reduziert, die Prägungen auf eine Million Menschen bezogen, 1519 ca. 8333,1681-90 ca. 30000, 17641808 ca. 48000, 1809^1836 ca. 43000 GcwichtsmarkSilber jährlich in Münze ausgeprägt wurden (also 249 000 preuß. Thaler 1519,1440000 18091336). In Österreich wurden nach S. Becker 172445 jährlich etwa3 Mill. österr. Gulden, 17921834 jährlich etwa 19 Mill. österr. fl. geprägt. Frankreich besaß 1780/90 etwa 2200 Mill. Fr. Geld (100 auf 1 Mill. Seelen), 1885 etwa 3000(210 auf 1 Mill.), während es 17951885 für über 13 000 Mill. Fr. geprägt hatte.

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