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Wert, indem er es zu Geld mache" (Arendt). In der praktischen Argumentation verwiesensie vor allem daraus, daß die Goldproduktion von 1860—85 zurückgegangen sei; sieglaubten an die düsteren Prophezeihungen von Süß, daß sie bald ganz aufhören werde.Von 1883—1899 trat nun sreilich wieder eine Steigerung der Goldproduktion aussdreisache ein, und diese verstärkte Produktion wird nach der Ansicht der Sachverständigensür die nächsten 20—40 Jahre sicher vorhalten.
Angenommen nun, das Ziel der Bimetallisten sei zunächst erreicht, ein Doppel-währungsbund zwischen Großbritannien, den Vereinigten Staaten, Frankreich und Deutsch-land , vielleicht auch einiger anderer kleiner Staaten geschlossen, so würde doch sicherdie ganze übrige Welt, es würden die Papier - und Silberländer nicht beitreten; derAnschluß Indiens und Chinas könnte gar nicht erwünscht sein, weil sie wahrscheinlichbei ihrer günstigen Zahlungsbilanz dann rasch das europäische Gold anstatt des Silbersan sich zögen. Nehmen wir an, es sei zunächst gelungen, die Wertrelation von Goldund Silber bei 15—20 oder auch bei 30 zur vorläufigen Ruhe zu bringen, die kleinenOscillationen, wie sie 1850—55 Frankreich sein Silber, 1530—1660 Deutschland seinGold raubten, würden doch rasch wieder kommen. Nun sagen die Bimetallisten, daskann den europäischen Staaten, welche die Gläubiger der Silberländer sind, nicht vielschaden; sie haben die Bilanz sür sich, also wird man ihnen ihr Gold nicht leicht ent-ziehen können. Aber Rußland , Indien und andere Getreideexportstaaten haben ost einesehr günstige Zahlungsbilanz. Sie würden aller Wahrscheinlichkeit nach die Gelegen-heit eines Goldagios in den Bundesstaaten über kurz oder lang benutzen, um demBunde sein Gold zu rauben. In diesem Augenblicke würden die größten und reichstenGlieder der Vereinigung sicher ihr untreu werden; um ihr Gold zu retten, würden sie dieSilberprägung sistieren oder eine andere Relation statuieren. Thäten sie es nicht, sobekämen sie die nun überwiegende Silberwährung und damit ein unvollkommenes Geld-wesen. Sie gäben sonst in dem Kampf um den wirtschaftlichen Vorrang freiwilligeines der besten Machtmittel aus der Hand. Jeder englische Kaufmann weiß, was eswert ist, daß in der ganzen Welt der englische goldene Sovereign als das besteGeld gilt.
Es ist aber gar nicht zu erwarten, daß es zu dem Bunde kommt; es ist nichtdenkbar, daß die Wiederherstellung des Silberwertes von 1 : 15,5 und daß die Stabili-sierung irgend welcher wesentlich erhöhten Relation auf Jahre hinaus gelinge. UmDerartiges zu erreichen, wäre eine Einschränkung der Silberproduktion auf die Hälfteoder auf ein Viertel der Gegenwart nötig, wie sie einst 1856—75 bestand. Die Ver-staatlichung aller Silberbergwerke der Welt und ein Völkerbund oder ein Kartell allerBergwerke, welche die Erzeugung von Silber einschränkend regulierte, ist undenkbar,schon weil Silber meist ein Nebenprodukt der Blei- und Kupfergruben ist, weil dieSilberproduktion teilweise in Ländern ohne starke zuverlässige Regierung stattfindet, undeine Kontrolle dieser Einschränkung nicht denkbar ist. Eine Hebung des Silberpreisesaus sein altes Niveau würde statt der Einschränkung der Silberproduktion eine starkeVermehrung von 4—5 auf 7—8 Mill. Kilogramm jährlich und damit einen neuenSilbersturz erzeugen. Nur der niedrige jetzige Silberpreis kann es dahin bringen, daßder Silberkonsum für Gerätschaften und der Silberexport nach den halbcivilisicrtenStaaten so wächst, daß der heutige Silberüberschuß absorbiert wird.
Der Glaube, daß mit der Doppelwährung einiger Kulturstaaten die Silber-nachsrage so steige, um die heutige Silberproduktion zum alten Preis oder auch zueinem ermäßigten aufzunehmen, vergißt, daß von den 42—43 1493—1^95 erzeugtenMilliarden Mark Silber nach Annahme Klüpfels nur 9 Milliarden als Münze in denKulturländern cirkulieren, daß auch Soctbeer nur bis ^/« der Gesamtproduktion vonGold und Silber als vermünzt voraussetzt. Andere Schätzungen gehen allerdings biszur Hälfte. Aber jedenfalls bildet für alles Edelmetall die Nachfrage für Münzzweckenur einen Faktor, teilweise nicht einmal den wichtigsten des Wertes; und sür die Grenzeeines sinkenden Wertes sind die Zwecke bestimmend, 5ie sich als die unwichtigeren dar-stellen, der Grenzwert. Eine verstärkte Vermünzung von Silber, wie sie z. B. in den