Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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c»<) Drittes Buch. Tcr gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommeusverteilung. s548

In dem zeitweiligen Verschwinden des einen Metalls im einzelnen Lande sieht er einegleichgültige Nebensache; er sagt, wenn die Doppelwährung nicht in Frankreich undanderwärts bestanden und gewirkt hätte, so wäre mit der großen Goldproduktion von1850 an eine beklagenswerte Verdoppelung aller Preise entstanden; wenn einst in derganzen Welt allein Goldwährung bestünde, so würde jede Einschränkung oder Aus-dehnung der Goldproduktion furchtbare Preiskrisen erzeugen.

Wolowski hat sicher recht, daß ein nationales oder internationales Nebeneinander-bestehen der Gold-- und Silbercirkulation unter Umständen ausgleichend aus die Wert-relation in der Weltwirtschaft wirken kann, und es ist wahrscheinlich, daß die Preis-steigernde Wirkung des kalifornisch-australischeu Goldes 185070 durch das französischeDoppelwährungssystem abgeschwächt wurde. Aber es ist falsch, anzunehmen, die Doppel-währung mit freier Prägung beider Metalle werde solche günstige Wirkung jederzeit,überall, bei allen Veränderungen in den Produktionskosten und den Produktionsmengenhaben. Die Sorge in Bezug auf den Sieg der Goldwährung auf der ganzen Erde istpraktisch gegenstandslos, da in absehbarer Zeit nur die reichen Staaten Gold-, dieärmeren Silber- oder Papierwährung haben werden.

Eine Begünstigung der Schuldner durch die staatliche Politik kann gegenüberb estimmten socialen Klassen zeitweise und in fest normierter Weise angezeigt und gerechtsein; schlechtweg sür alle Schuldner durch eine staatliche Währungspolitik eine Be-günstigung einführen, die zeitlich und dem Umfang nach von den Schwankungen desWeltmarktes abhängig ist, heißt eine grobe Ungerechtigkeit begehen und die Maßregelüberdies dem Zufall preisgeben. Und wenn Wolowski mit der Doppelwährung auf dieStabilität des Geldwertes hofft, daneben aber die Agioschwankungen derselben ganz ignoriert,so heißt das, das sichere Naheliegende über dem unsicheren Fernen vergessen. DasSchwanken des Kurswertes der Münzen und der ewige Wechsel zwischen Gold- undSilbercirkulation ist praktisch schlimmer und viel sicherer als die Geldwertsänderungen,die er von der reinen Goldwährung fürchtet.

Die späteren Bimetallisten haben dies auch in gewissem Sinne anerkannt;ihr Ziel geht dahin, durch internationale Währungsverträge der Kulturstaaten geradeeine Stabilität der Wertrelation herbeizusühren. Sie geben zu, daß jede nationaleDoppclwährung schädlich wirke; sie glauben, daß wenn die großen wirtschaftlich ent-wickeltsten Staaten ihren Gold- und Silbermünzen einen Nennwert auf Grundlage einerfesten vertragsmäßigen Wertrelation beilegen und stets frei beide Münzartcn prägenlassen, die so angeblich stabilisierte Nachfrage für Münzzwecke genüge, die Wertrelationdauernd und gleichmäßig auf 1 : 15 oder 1 : 20 oder wenigstens 1 : 30 zu erhalten.Sie wollen so womöglich den Silberwert auf feine alte Höhe bringen oder wenigstensweiteres Sinken desselben hindern. Sie glauben damit zu der Währungspolitik zurück-zukommen, die seit 3000 Jahren das Wohl der wirtschaftlich hochstehenden Staatenausgemacht habe; sie glauben damit am sichersten eine Stabilität des Geldwertes imgroßen und ganzen, jedenfalls eher eine Geldentwertung (Steigerung der Preise), alseine Geldverteueruug (Sinken' der Preise) zu erreichen. Und letzteres sürchten sie ammeisten; die niedrigen Preise im Großhandel von 187595 führen sie auf die Gold-währung, die Silberdemonetisierung, die zu geringe Menge cirkulierender Münzen zurück.Auf das erstere, auf eine künstliche Steigerung der Preise durch eine stärkere Geld-cirkulation rechnen viele der Bimetallisten und sehen kein anderes Mittel hiesür alsdie freie Silber- neben der Goldprägung. Alle hoffen mit der internationalen Doppel-währung, deren immer weitere Ausbreitung sie erwarten, die Handelsbeziehungenzwischen den heutigen Gold- und Silberländern, die heute allerdings unter der, Ver-schiebung der Wertrelation zeitweise leiden, zu einer sehr viel besseren zu gestalten, denExport der Goldländer nach den Silberländern zu erleichtern. Ein Teil der Bimetallistensieht auch in der geringeren Rentabilität der Silberbergwerke ein Unglück, das nianbeseitigen müsse.

Der theoretische Grundgedanke der Bimetallisten ist ähnlich wie der der Münz-theoretiker vergangener Zeiten:der Staat gebe dem Edelmetall überhaupt erst seinen