ZLY Drittes Buch, Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. ^818
der Staatsschuldenverwaltung möglich zu machen, ohne praktisches Resultat. Erst einReformgesetz von 1882 saßte die zu versichernden Summen und das Verfahren dieserstaatlichen Altersversicherung so, daß die Wohlthat den Arbeitern zugänglich wurde.Von 1880 beginnen die ernsteren Resormanläufe für Alters- und Unfallversicherung,worauf wir später kommen.
Während die Entwickelung in den Vereinigten Staaten und den englischenKolonien eine ähnliche war wie in England, ist sie in Frankreich und den angrenzendenromanischen Ländern eine wesentlich andere gewesen.
In Frankreich bestanden bis 1789 zahlreiche katholische und protestantischeHülfskasscn bei Bruderschaften, Zünften, Vereinen, die in althergebrachter Weise allerleiUnterstützungen, aber ohne Rechtsverbindlichkeit, gaben. Die Revolutionsgcsetze ver-nichteten sie oder ihr offenes Bestehen, der Napoleonische Polizeistaat fürchtete alle der-artigen Vereine als Koalitionsansätze. Doch duldete man sie nach und nach wieder,zumal wenn sie Leute der verschiedensten Berufe aufnahmen; besonders 1830—48 vermehrtensich diese Hülfskassenvereine (soeiötös äs seoours muwkl8), am meisten in den Fabrik-gegenden; das Sparkassengesetz von 1843 gestattete ihnen, Einlagen in die Sparkassen zumachen, das hatten 1847 2056 im Betrag von 5,7 Mill. Fr. gethan. Die Frage derAltersrenten- und der Hülfskassen wurde 1847—1850 im Parlament und sonst ernstlichdiskutiert. Das Gesetz vom 15. Juli 1850 und die folgenden kaiserlichen Dekrete be-schränken die Hülfskassen in der Hauptsache auf Krankenunterstützung und Vegräbnisgeld,suchen sie durch zahlreiche Patrone, Vorsitz des Maires, lokale Beschränkung undallerlei polizeiliche Kontrollen sowie durch Staatszuschüsse, wenn sie gewisse Bedingungenerfüllen, in politisch ungefährliche, versicherungstechnisch gut verwaltete Organe zu ver-wandeln. Der ganze Hochdruck der Staatsmaschine und der Kirche förderte die Be-wegung, die bis Ende der 60er Jahre, bis die Syndikatsbestrebungen stärker wurden,auch einen Teil der Arbeiter leidlich befriedigte. Im Jahre 1871 bestanden 5787Vereine (davon 4263 genehmigte, privilegierte) mit 791 901 Mitgliedern, wovon etwa100 000 Ehrenmitglieder waren, die zahlen, aber nichts fordern. Daneben hatte man,im Anschluß an die viel weitergehenden Pläne auf Staatshülfe des Jahres 1848,18. Januar 1850 eine vom Staat verwaltete Altersrentenkassc geschaffen, in welche jederBürger, jedes Mitglied einer Hülfskasse sich einkaufen konnte, in die aber hauptsächlichdie Hülfskassen Einzahlungen für ihre Mitglieder im ganzen machten und dafür erheb-liche Staatszuschüsse erhielten. Die Rentenbezieher waren bis Ende 1872 auf 29 383(mit 6—7 Mill. Fr. Rente) gestiegen. Daneben verteilten auch noch viele Hülfskassendirekt, je nach ihren Überschüssen, Altersrenten an alle Mitglieder. Ich füge gleich bei,daß Ende 1896 die Zahl der Rentner, die Renten von der Alterskasse bezogen, auf208 241 mit 33,3 Mill. Fr. gestiegen war, daß aber unter 1,29 Mill. Rentenbeziehernvon 1852—1896 nicht ganz eine halbe Million Arbeiter waren, die übrigen aus kleinenRentiers, Beamten, Eisenbahn- und Chausseebediensteten, Handwerkern u. s. w. bestanden.Die ebenfalls für die Arbeiter bestimmte staatliche Lebens- und Unfallversicherungskasse(1868 gegründet) blieb noch bedeutungsloser; sie hatte 1868—1896 es auf 2571 Einzel-und 1647 Sammellebensversicherungen mit ein paar Mill. Fr. Kapital und auf jährlichetwa 1416 gegen Unfall versicherte Personen gebracht (1368); bis Ende 1896 warenim ganzen 369 654 versichert worden-
Die Republik hat die polizeiliche Einschränkung der soeistss <1e skoours mutuslsseit 1870 etwas ermäßigt, sie aber erst nach langen, 17 jährigen parlamentarischenKämpfen 1. April 1898 unter ein liberales Gesetz gestellt, das ihnen eine Ausdehnungihrer Zwecke und die Bildung von Unionen gestattet, aber ihre Versicherungstechniknicht auf ganz befriedigenden Boden stellt. Das wachsende praktische Bedürfnis hattesie 1875—1900 wesentlich vermehrt; es bestanden in den letzten Jahren zwar ca.12 000 Kassen, ihre Mitglieder werden aber auf nur 1,6—2,5 Mill. (letztere Zahl nachCheysfon) angegeben; darunter 250 000 Ehrenmitglieder, 550 000, welche professionelleVereine bilden, 200 000 kleine Unternehmer, 200 000 Beamte, im ganzen 6—700 000gewerbliche Lohnarbeiter, 4-500 000 Angestellte aller Art. Das Vermögen war 1886