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Ursachen des wechselnden Unternehmergewinnes.
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Die Prozesse, um die es sich dabei handelt, haben wir bereits oben (§ 181),als wir die Wirkung der Produktionskosten auf den Wert erörterten, in analoger Weisedargestellt. Wir brauchen sie daher hier nicht nochmal zu analysieren. Wir sahen,wie schwierig und wie langsam der Ausgleich auf vielen Gebieten ist, wie er teilweisenur durch Neubewertung der fixen Kapitalien (Steigen und Fallen ihrer Geldpreiseentsprechend dem veränderten Gewinn) erfolgt, wie er aber immerhin in der Tendenzvorhanden ist. Diese Tendenz wirkt schwächer zwischen verschiedenen Staaten, zwischenganz verschiedenen Geschäfts- und Berufszweigen, sie wirkt am stärksten zwischen gleichen oderähnlichen Geschäften derselben Gegend. Immer bleibt das Endergebnis, daß man voneiner gleichmäßigen Durchschnittshöhe des Gewinnes ganzer Länder und Geschäftszweigereden kann, daß man ein allgemeines Steigen oder Fallen desselben beobachten, daßman die allgemeinen Ursachen, die hierauf wirken, untersuchen kann. Dieser Ausgabewenden wir uns jetzt zu.
232. Das Steigen oder Fallen des Unternehmergewinnes. Die Ur-sachen, welche die Höhe des Unternehmergewinnes bestimmen, liegen einerseits in derZahl, der Fähigkeit, dem Besitz, der Macht der Unternehmer und andererseits in der Zahlund den Eigenschaften derer, die ihnen als Verkäufer der Rohstoffe und Produktions-mittel und als Käufer der Waren gegenüberstehen. Die Spannungsverhältnisse zwischendiesen drei Personengruppen müssen die Höhe des Gewinnes ergeben. Es handelt sichauch hier um Angebots- und Nachsrageverhältnisse; die Unternehmer sind gegenüberden Verkäufern der Produktionsmittel die Nachfragenden, gegenüber den Konsumentendie Anbietenden.
g.) Die Zahl der eigentlichen Unternehmer, ihre Zu- oder Abnahme ist schwerzu bestimmen, ihre Abgrenzung gegenüber den kleinen Geschäftsleuten, die eigentlich nurArbeiter sind, bleibt unsicher, wie wir sahen. Wir haben ihre Entstehung (1 § 138—146)aus dem Handel und der Familienwirtschaft geschildert. Die Ausbildung des Handels-geistes, der bürgerlichen Mittelklassen, die steigende Achtung und Ehre des wagendenUnternehmerstandes, die Ausbreitung des technischen und kaufmännischen Schulwesens,die Ordnung der kaufmännischen Karrieren, die ganze neuere sociale Klassenbildungbeherrschen die Zahl. Die neuere Kreditorganisation vermehrte besonders in den Zeitendes Kapitalüberflusses die Möglichkeit, daß sähige Kaufleute und Techniker ohne odermit kleinen Vermögen selbständig wurden. Die Ausbildung der komplizierten und ver-größerten Betriebe und Rechtsformen vermehrte teilweise (z. B. durch Zulassung be-schränkter Haft), verminderte aber doch im ganzen die Leichtigkeit neuer Geschäfts-gründungen. Der seit 30—40 Jahren stark wachsende Einfluß der Gründungsbankenauf die Neuentstehung größerer Geschäfte erleichterte die Kapitalbeschaffung, machte aberallen bei diesen Banken nicht gut eingeführten Anfängern den Beginn und die Aus-dehnung der Geschäfte schwieriger. Wo sehr starke Konkurrenz der Unternehmer besteht,wird dadurch ihre Zahl stets wieder reduziert. Wo Kartelle und Trusts sich bilden,suchen sie mit allen Mitteln neue Geschäfte zu hindern, vermögen es aber doch nichtganz, zumal wenn sie ihre Preise zu hoch setzen. In Ländern mit großem auswärtigenHandel und mit Kolonialbesitz werden überschüssige jüngere Kräfte immer rasch wiederuntergebracht, während sie in Ländern ohne solche Entwickelung ungünstig wirken,Periodisch zu viele nicht nötige und nicht gehörig sundierte Geschäfte gründen. So sindes komplizierte, vielfach einander entgegenwirkende, in ihrem Gesamterfolg schwer fest-stellbare Ursachen, welche die Zahl der Unternehmer bestimmen. Auch der ganze Volks-charakter, die Rasse, die Kulturstufe wirken wesentlich mit.
Ebenso wichtig wie die Zahl sind die persönlichen Eigenschaften der Unter-nehmer (vergl. I S. 414—415, S- 430—436), wie sie in den neueren Kulturstaaten imganzen übereinstimmend, im einzelnen nach Rasse, wirtschaftlichen Institutionen u. s. w.doch vielfach abweichend sich ausgebildet haben; die Klasse umschließt naturgemäß allerleiSpielarten des Charakters, der Erziehung, der Herkunft; die einen rücken als Empor-kömmlinge in den Stand ein, die anderen haben eine durch Generationen ererbte Schulung,zeigen aber auch die Fehler des ererbten Reichtums. Stahlharte frühere Arbeiter,
Schmoller, Grundriß der Volkswirtschaftslehre. II. I.—v. Aufl. 28