Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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432 Drittes Buch, Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung, s^8W

der inneren Anordnung der Fabrik, in der Technik, in der Verkehrsvermittelung, wiesie teilweise der tüchtige Werkmeister, der Commis herausfinden kann, können unterUmständen bereits viel ausmachen, viel Verantwortlicher und einflußreicher aber sind dieDispositionen des eigentlichen Geschäftsleiters.

Von ihnen hängt es ab, ob die Kosten gedeckt, ein Überschuß, ein Reinertragerzielt wird. Jedenfalls will man stets a) eine Verzinsung des im Geschäft steckendeneigenen Kapitals erreichen, d) eine Vergütung für die Thätigkeit des Unternehmers, wieer sie nach Geschicklichkeit und Leistungsfähigkeit sonstwo erzielen könnte; bleibt darüber nochein Überschuß, so hat man diesen Teil neuerdings häufig, e) als Unternehmergewinn im eigent-lichen Sinne aufgefaßt. Das Einkommen des Unternehmers enthält so drei Elemente, die aberäußerlich nicht geschieden sind, so sehr die Kapitalverzinsung, die gewöhnliche und dieeigentümliche unter e) erwähnte Arbeitsvergütung theoretisch sich scheiden lassen; alledrei Teile haben einen lotterieartigen Charakter, zumal der letztgenannte. Selbst wenndas Unternehmen im ganzen gut geht, ist nur im Durchschnitt der Jahre auf ein be-stimmtes Unternehmereinkommen zu rechnen, da Kosten und Verkaufspreise immerschwanken, kleinere Verluste stets störend eingreifen können. Aber der lotterieartigeCharakter des ganzen Unternehmereinkommens zeigt sich noch mehr darin, daß je nachden Konjunkturen und Zufällen die Geschäfte überhaupt bald stocken, bald blühen, javiele bald mit ganzem oder teilweisem Verlust des Kapitals zu Grunde gehen, baldwieder große Gewinne erzielen, die bei Sparsamkeit zu rascher Vermögensbildung führen.Wer schuld an dem einen oder anderem sei, ist überhaupt, jedenfalls allen Fernerstehen-den, schwer zu sagen. Übertreibender Neid entsteht leicht, weil die Menge mehr die großenperiodisch sich einstellenden Treffer und nicht die zahlreichen Nieten sieht. Gotard hatsrüher für Frankreich , Wells neuerdings für die Vereinigten Staaten behauptet, nur10°/o aller Unternehmungen glückten dauernd. Daß 10 20°/o aller Geschäfte meistim ersten Jahre wieder eingehen, zeigen die ungeheuren Wechsel in den Eintragungenunserer Firmenregister und die Statistik der Konkurse. May, ein erfahrener Kaufmann,meint, daß, wenn 189S und 1896 in Deutschland 182 und 16S Mill. Mk. durchKonkurse ausfielen, diese nur einen kleinen Teil der durch Akkorde verlorenen Kapital-beträge darstellen. So bleibt der Gesamtbetrag des Unternehmereinkommens erheblichhinter der Vorstellung zurück, welche die Arbeiter und das große Publikum in derRegel von ihm haben. Zumal in den zahlreichen älteren Geschäften, in allen denen,welche in hergebrachten Bahnen sich bewegen, welche keine Monopolstellung haben,erheblicher Konkurrenz unterliegen oder gar jahrelang unter ungünstiger Konjunkturleiden, ist es häufig nur so, daß die Gewinne die eigenen Kapitalien notdürftig zu23 °/o verzinsen und eine mäßige Arbeitsvergütung bringen. Wo die entgegengesetztenUmstände walten, wo geniale Geschäftsleute große technische Neuerungen, Betriebs-verbesserungen, Absatzausdehnungen durchführen, da sind umgekehrt oft 15 6V undmehr Prozent des Kapitals (einschließlich der Arbeitsvergütung) zu verdienen.

d) Nach diesen Bemerkungen könnte es scheinen, als ob von einer einheitlichenzeitweisen Höhe des Unternehmereinkommens gar nicht gesprochen werden könnte. Undes trifft dies auch bis auf einen gewissen Grad zu: wie schon die Höhe des Lohnesund der bedungenen Kapitalrente zur selben Zeit, aus demselben Markte sich nur be-schränkt ausgleichen, so thut es der Unternehmergewinn noch viel weniger. Zumal dieganz großen Geschäfte mit Monopolstellung, wie die kleinen Geschäfte der Bauern,Handwerker, Kleinhändler nehmen an der überhaupt vorhandenen Ausgleichung nicht Vielteil; erstere wegen ihrer Sonderstellung, ihres Monopols, letztere weil ihre Inhaber nichtkaufmännisch geschult und beweglich genug sind. Für eine große Zahl von Unter-nehmungen, die zwischen diesen Extremen stehen, in gut rechnenden kaufmännischenHänden sind, trifft nun aber, soweit sie untereinander sich technisch und geschäftlichkennen und durchschauen, soweit sie leicht ihre Geschäfte, Kapitalanlagen u. s. w. ändernkönnen, natürlich zu, daß hoher Gewinn in bestimmten Geschäftszweigen Kapital undUnternehmer anlockt, geringer Gewinn abstößt. Steigende und fallende Gewinne be-einflussen in dieser Weise die Produktion und den Handel.