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Unternehmer und Arbeiter. Sinken des Gewinnes.
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leugnen, wenigstens für ältere Gewerbe, für Länder mit sehr dichter Bevölkerung, mit nichtwachsendem Export, mit stabiler Nachfrage u. s. w. Es ist dies das Zeichen, daß daswirtschaftliche Leben überhaupt schwieriger werde, daß von gewissen Punkten an dertechnische und organisatorische Fortschritt größerem Widerstande begegne. Aber von derMehrzahl auch der West- und mitteleuropäischen Länder wird man behaupten können,daß die erzielten Gewinne 1895 —1900 ebenso groß oder größer waren als die von1860 — 1873 oder gar als die von 1820—1840.
Marx sieht im periodischen Sinken des Gewinnes (der Profitrate) während derÜberproduktion und der Krise das Fatum des Unternehmers, das zuletzt die kapita-listische Produktion, d. h. die durch Unternehmer beseitigen werde. Der Gewinn (der Mehr-wert) entsteht für ihn ja zuerst durch Lohndruck, dann durch Maschinenanwendung,welche Arbeiter beseitigt; damit (sagt Bernstein) schlägt aber der Kapitalist die Hennetot, die ihm die goldenen Eier legt, denn nur lebendige Arbeit schafft ja nach MarxMehrwert. Die Überspekulation und Krise vernichtet dann große Kapitalmassen; nur des-wegen ist nachher wieder eine Produktion mit beschränktem Gewinn möglich. Aber dadieser Prozeß sich stets fortsetzt, die Betriebe und Kapitale sich immer mehr konzen-trieren, die Ausbeutung und Verelendung der Arbeiter immer weiter steigt, so wirdzuletzt — nach Marx — die Unternehmerproduktion unmöglich durch den sinkendenGewinn.
Es ist ein Kartenhaus von Gedanken, das seine durchsichtige Schwäche in der falschenErklärung alles Mehrwertes und Gewinnes durch die Handarbeit an sich und durchArbeiterausbeutung hat. Der Gewinn sinkt nicht so, wie hier angenommen wird. DieUnternehmung der Gegenwart wird in absehbarer Zeit nicht verschwinden. Sie wirdnur, wie wir sahen (I § 143 ff.), andere Formen annehmen. Die Riesenbetriebe undGroßunternehmungen, die Aktiengesellschaften und Genossenschaften, die Kartelle undTrusts, die Gemeinde- und Staatsbetriebe sind es, welche durch ihre Verfassung, ihreDirektoren und Beamte, ihre Formen des Einkommens (Gehalt und Tantiemen) derälteren privaten Unternehmung täglich Terrain abgewinnen und diese selbst modifizieren,in vielem zur Nachahmung zwingen. Aber die Unternehmung als solche und der Unter-nehmergewinn verschwinden damit nicht, sondern erleiden nur gewisse Umbildungen, ge-wisse Einschränkungen der privaten Gewinnsucht; es treten eine Reihe anderer Motiveneben den Erwerbstrieb; staatliche, gemeinwirtschaftliche Gesichtspunkte und Gesamt-interessen kommen mehr als bisher zur Geltung.
Der berechtigte Kern desUnternehmergewinnes ist die sreie Übernahmewichtiger gesellschaftlicher Funktionen durch Personen, die wirtschaftlich, technisch, kauf-männisch höher stehen als die übrigen Klassen, die Leitung der Produktion und desHandels besser als sie verstehen. So weit dieser Kern bestehen bleibt, wird der Unter-nehmergewinn sich erhalten. —
Wir kommen nun zu der großen, viel erörterten Frage, wie zeitweise Gewinn-steigerungen, die an seltene Produktionsmittel und steigende Nachfrage sich anknüpfen,zu dauernder Vermögensrentensteigerung führt.
233. Die ländliche Grund rentenbildung und der Monopolwertder ländlichen Grundstücke. Wir haben in der Wertlehre (II S. 154—158)und bei der Erörterung des Gewinnes gesehen, daß die Steigerung des Gewinnes,welche die Folge beschränkter Produktionsmittel (Grundstücke, Erzlager u. s. w.) oderbeschränkter eigentümlicher Verhältnisse und Einrichtungen (rechtliche Monopole, Kartell-verabredungen, Ruf der Firma, Folge ausgezeichneter Geschäftsführung) sind, sichin der Regel in einen erhöhten Wert der Kapitalien und Vermögensstücke umsetzen.Der Zusammenhang zwischen der Gewinnsteigerung und dem erhöhten Vermögenswertist oft nicht ganz deutlich; der letztere kann oft länger ausbleiben, oft tritt er aber auchnur zu rasch ein; er kann lange ein schwankender und unsicherer sein, durch künstlicheMittel beeinflußt werden. Aber im ganzen wird stets, wo der Mehrgewinn einiger-maßen gesichert erscheint, der Mehrwert der Kapitalstücke, auf die man ersteren zurück-führt, entsprechend dem herrschenden Zinsfuß erfolgen. Und umgekehrt werden sinkende