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Das landschaftliche Kreditwesen Preussens : agrargeschichtlich und volkswirtschaftlich betrachtet ; ein Beitrag zur Geschichte der Bodenkreditpolitik des Preussischen Staates / von Hermann Mauer
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46 I. DAS LANDSCHAFTLICHE KREDITWESEN UND DER GROSSGRUNDBESITZ .

Der Zentralpfandbrief hat sich aber nicht in dem Maßeeinzubürgern vermocht, wie man dies erwartet hatte. Die meistenInstitute sind im Laufe der Zeit wieder zur Ausgabe von Pro-vinziallandschafts - Pfandbriefen zurückgekehrt. Hierbei habenmehrere Gründe mitgesprochen. Einmal ist bereits während dersiebziger Jahre ein gewisser Ausgleich in den Kursen der Pro-vinzial-Pfandbriefe eingetreten, der die Benutzung des Zentral-pfandbriefes überflüssig machte. Fernerhin sind aber einigeLandschaften aus der Zentrallandschaft wieder ausgeschieden,weil sie mit der Zentralisation unvermeidlich verbundene Be-schränkung ihrer Selbständigkeit störend empfanden 1 ). Dasletztere Moment ist bisher in der Literatur als der entscheidendeGrund für das geringe Gedeihen der Zentrallandschaft angesehenworden. Demgegenüber möchten wir annehmen, daß die Zentral-landschaft sich trotz der erwähnten Beschränkungen eines großenZuspruchs zu erfreuen gehabt hätte, wenn die Kursverschieden-heiten bestehen geblieben wären. Die Existenzberechtigung derZentrallandschaft ist neuerdings erst wieder dadurch erwiesenworden, daß die im Jahre 1895 für den Großgrundbesitz er-richtete Schleswig-Holsteinische Landschaft sich bei ihrer Kredit-gewährung ausschließlich der Zentralpfandbriefe bedient. Auchbei dem Kur- und Neumärkischen Kredit-Institut ist dies der Fall.Im Ganzen sind von 18731905 landschaftliche Zentralpfand-briefe in Höhe von fast 800 Millionen Mark ausgegeben worden.Hiervon waren im Jahre 1905 noch Mk. 406.755.550. im Umlauf.

Der Gesamtbetrag der umlaufenden landschaftlichen Pfand-briefe betrug im Jahre 1905 mehr als 2 l h Milliarden Mark.Yon diesen sind etwa 1 3 U Milliarden Mark zwecks Beleihungvon Gütern ausgegeben worden, die dem Großgrundbesitz zuzu-rechnen sind.

Von 18701905 haben die Landschaften dem Großgrund-besitz etwa 1100 Millionen Mark neu zugeführt und nahezu6000 Güter in einer Größe von mehr als 100 ha neu belieben.Die Zahl der landschaftlich beliehenen Güter dieser Größen-

') Hermes:Landschaften Ilandw. d. Staatsw.