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Die Grund-Entlastung in Bayern / von Sebastian Hausmann
Entstehung
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EINLEITUNG.

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Arbeit anstrebten. 1 Andererseits musste die Diskussion überdie internen Fragen der Landwirtschaft bei dem innigenZusammenhänge der landwirtschaftlichen Betriebssysteme mitder sozialen Gliederung des Bauernstandes zu den gleichenForderungen führen: so wenn v. Berg, Authenrieth u. A.Untersuchungen über die wirtschaftliche Bedeutung des Um-fanges der Bauerngüter anstellten, oder wenn Beckmann,Justi, Wöllner, Grasmann die Abschaffung der Gemeinheiten,die Teilung oder Verpachtung der Geineiudegründe u. dgl.erörterten. All diese Erörterungen fanden in Bayern leb-haftesten Widerhall und wurden namentlich von den 70 erJahren an mit spezieller Rücksicht auf die tatsächlichenVerhältnisse der bayrischen Landwirtschaft von Männernwie Westenrieder, Rottmanner und Hazzi mit ebenso grosserWärme als tiefem Verständnisse weitergeführt. Dazu kamdie praktische Entwicklung der Bauernfrage in Dänemark und in dem kleinen Toskana, die iu den bayrischen Intelligenz-blätteru sowie in den zahlreichen Broschüren und Flugschriftenjener Zeit immer und immer wieder als Musterbeispiel heran-gezogen und besprochen wurden, während allerdings die Re-formversuche der preussischen Könige auf ihren Domänenfast gar keinen Eindruck in Bayern gemacht zu haben scheinen.

Von der Zeit an, die wir oben als den Ausgangspunktder modernen bayrischen Landwirtschaft bezeichnet haben,lassen sich in der Entwicklung derselben drei grossePerioden unterscheiden: zunächst die Zeit von der Kreitt-mayrschen Gesetzgebung bis zum Regierungsantritte MaxJoseph IV. (1750 bis 1799), dann die Regicrungszeit vonMax Joseph IV. und Ludwig I. (1800 bis 1848), und endlichdie neueste Zeit von 1848 bis zur Gegenwart. Die erstePeriode stellt sich dar als die Zeit desgeteilten Eigen-thums, der ungemessenen Scharwerke und Grundabgaben,in der die grosso Masse der landwirtschaftlichen Be-sitzer bei der fast vollständigen Ungewissheit bezüglichder Dauer ihres Besitzes, bei der drückenden Menge derAbgaben und bei der unzweckmässigen und stets unge-

1 Fraas, a. a. 0. p. 109.

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