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Die Grund-Entlastung in Bayern / von Sebastian Hausmann
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ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE.

nicht wie bei dem Adel vorhanden war. Insbesondere warendie zahlreichen Mendikantenklöster in Bayern und in derOberpfalz waren es über 50 mit fast 2000 Angehörigen -durch ihre unaufhörlichen Kollekten eine schwere Bürde fürdie Landbevölkerung, die für diese Sammlungen überwiegendin Betracht kam; nach einer Angabe von Westenrieder 1hatten die Franziskaner allein im Jahre 1768 fast 130 000 11.in Geldalmosen und wohl ebensoviel in Naturalien zusammen-gebracht !

Und ebenso unerquicklich wie die materiellen Verhältnissezeigt sich uns der allgemeine Kulturzustand jener Zeit. Es magnur in Kürze darauf hingewiesen sein, wie die unglaublicheRohheit und Unwissenheit des Landvolkes höchstens in derUnwissenheit der eigenen Grundherrn eine Art von Ent-schuldigung fand, wie trotz der energischen Bemühungeneinzelner hervorragender Geistlichen jener Zeit auch derreligiöse Unterricht auf dem Lande vollständig vernachlässigtwar und ein blindes Hängen an äusseren Formen und altenVorurteilen eine tiefere Religiosität ersetzen musste, wie nachder Aufhebung des Jesuitenordens dessen reiche Besitzungen(6 Mill. fl.), die bereits den öffentlichen Unterrichtsanstaltonzugewiesen waren, diesen wieder entzogen und zur Schaffungeiner bayrischen Zunge des Johanniterordens verwendet wurden,in der die Günstlinge des Kurfürsten glänzende Unterkunftfanden, vue endlich die in den 50er Jahren gegründeteAkademie der Wissenschaften, die gerade auf die Entwick-lung der Landwirtschaft direkt und indirekt den grösstenEinfluss ausübte, mit den unglaublichsten Schwierigkeiten zukämpfen hatte, besonders als unter Karl Theodor in denspäteren Jahren seiner Regierung der Umschwung eintrat, dassjeder freisinnige Gedanke unerbitterliche Verfolgung zu ge-wärtigen hatte.

1 Wes t e n ri o (1 or, Jahrbuch der Menschengesehiehle in Bayern 1783, I. Bd. 2. Teil, p. 44.