2. DIK GUTS1IERRSCHAFT.
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rannen für einen Mann zu stehen.“ „Wir insgesamt flehenDeine Vaterlandsliebe mit Ehrfurcht an: Hebe endlich ein-
mal dieses Frohnwesen auf und verwandle dasjenige Frolin-recht, das sich auf einen rechtmässigen Ankunftstitel gründet,in eine gemässigte Geldforderung; gerne wollen wir uns aufdiese Geldleistung verstehen, als das Opfer, wodurch wir inden Stand gesetzt werden, dieses abscheuliche Joch von unsabzuschütteln!“
Die wirtschaftlichen Folgen dieser Verhältnisse warennicht nur für den Grundunterthan, sondern auch für denGrundherrn von schlimmster Art. In ersterer Beziehungbrauchen wir nicht mehr weiter darauf einzugehen: es war— wie schon hervorgehoben — dem Grundunterthan einfachdie Möglichkeit benommen, seinen eigenen Grund und Bodenin einigermassen rationeller und sorgfältiger Weise zu bewirt-schaften. Aber auch für den Grundherrn war jeder bedeu-tende Fortschritt zu einer rationellen Wirtschaft — wennnicht unmöglich gemacht, so doch ungemein erschwert. Vorallem fiel für ihn einer der Hauptgründe weg, die zu einervernünftigen Zusammenlegung der Grundstücke in’s Gewichtfallen: er brauchte nicht damit zu rechnen, dass durch diezerstreute Lage derselben ungeheuer viel Arbeitszeit und Ar-beitskraft verloren ging. Dazu kam, dass diese verwirrten,jeder festen Ordnung entbehrenden Verhältnisse zahllose An-lässe zu Streitigkeiten, zu kleinen Widerspenstigkeiten seitensder Beamten geben mussten; da aber hierauf ein wesent-licher Teil des Einkommens der gutsherrlichen Beamten be-ruhte, so hatten diese selbstverständlich das grösste Interessedaran, diese unhaltbaren Missstände solange als möglich nochaufrecht zu halten.
Natürlicher Weise war dann diese erzwungene Arbeitauch möglichst schlecht und an den Bau von Pflanzen, diegrössere Sorgfalt erfordert hätten, war kaum zu denken. DerErtrag dieser Wirtschaft kann deshalb im Allgemeinen nurverhältnismässig gering gewesen sein. Bedenkt man nun,dass ein grosser Teil dieses Ertrages für den Gehalt derBeamten oder durch deren Unterschlagungen wieder aufging,dass ein grosser Teil der adeligen Güter mit Schulden schwer
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