84 DIE 1JAYK. AGRARGESETZGEBUNG VOX 1800 — 1848 .
b) Die Forderungen der Theoretiker.
Es liegt nicht entfernt in dem Plane dieser Schrift, andieser Stelle eine Darstellung der theoretischen Anschauungenüber Volkswirtschaft überhaupt zu versuchen, die um dieWende des Jahrhunderts in Bayern herrschend waren . 1 Essoll vielmehr nur kurz darauf hingewiesen werden, welcheForderungen in Bezug auf die landwirtschaftliche Gesetz-gebung von den bayrischen Gelehrten und Schriftstellern jenerZeit aufgestellt wurden.
Dieser kurze Hinweis ist umsomehr notwendig, als ge-rade für jene Zeit die Wechselwirkung zwischen der Theorieund den wirklichen Verhältnissen in Bayern besonders grosserscheint. Waren doch von den Männern, die als Schrift-steller grösseren Einfluss besassen, ungewöhnlich viele in derLage, auch praktisch ihre theoretischen Anschauungen zu be-thätigen. Die einen von ihnen — so Utzschneider, Hellen-berg, Ilazzi, — waren in amtlichen Stellungen, die ihneneinen weitgehenden Einfluss auf die Thätigkeit der leitendenStaatsbehörden ermöglichten, andere — so vor Allem dernoch immer nicht in seiner vollen Bedeutung gewürdigteRotmanner — waren selbst grössere Landwirte und konntendurch das Beispiel ihrer eigenen Wirtschaft auf weite Kreiseder ländlichen Bevölkerung in aufklärendem Sinne wirken.
Die hier in Betracht kommende Litteratur karakterisiertsich nicht durch grundlegende systematische Forschungen.Wohl aber suchen die Autoren mit grösster Sorgfalt deneinzelnen Mängeln auf den Grund zu gehen, die bei der that-säclilichen Gestaltung der Institutionen des Rechts- undWirtschaftslebens überall in Fülle zu Tage treten. Und beider Frage, wie diesen Missständen abzuhelfen, tritt uns im
1 Eine solche umfassende Darstellung 1 hnben wir neuerdings er-halten in dem 1. Teil (Einleitung) der verdienstlichen Schrift von Dr.Ludwig Hoffmann: „Ökonomische Geschichte Bayerns unter Jlont-gelas 1799 — 1817“, Erlangen 1885, p. 62—120. Die nachfolgendenAusführungen schliessen sich im Wesentlichen an die Schrift von Hoff-
mann an.